Dienstag, 28. Juli 2009

Laurell K. Hamiltons Anita Blake – sie machte den Weg frei ...



-->Wo wäre der heutige urban fantasy, der romantische fantasy, der sexy fantasy und der paranormale Liebesroman von heute, wenn es sie nicht gegeben hätte? Sicherlich ein Nischenthema das selbst im Fantasy oder im Horror Flügel der Leserschaft naserümpfend beäugt oder im nettesten Fall belächelt worden wäre. Vampire, Wergestalten und andere mystische und sagenhafte Wesen im Alltag, mit Gefühlen, Sorgen, Ängsten und Nöten? Die sich verlieben, Emotionen haben und sich auch mal die Haare föhnen müssen nach der Dusche? Wo hätte es denn sowas gegeben. Mal ehrlich, wer würde denn darauf kommen aus einer modrigen, muffigen ollen Grusel-Vampirvorlage mit Ingo Appelt- bzw. Grandpa Munster Frisur oder einem fleischzerfetzenden, hässlichen Werwolf, Objekte der Begierde zu machen? Anne Rice machte in der modernen Literatur schonmal den Anfang aber Laurell K. Hamilton hat es geschafft sogar eingefleischte Liebesromanleserinnen mit hohen Ansprüchen ins Boot zu kriegen. Sie und ihre Mitstreiterinnen Sherrilyn Kenyon und Christine Feehan haben den Vampir- und Wergestaltenroman Ende der 90er aus seinem dunklen Sarg und Wald gezerrt und regelrecht Zeichen gesetzt. Aber bevor dies geschah, wurden auch sie milde auf den Kopf getätschelt für ihre Vorliebe zum modernen Vampirroman, Kenyon und Hamilton haben Anfang der 90er für eine SciFi Zeitschrift gearbeitet um sich ihr Brot zu verdienen und nebenbei schrieben sie an ihren Manuskripten. Wie Sherrilyn Kenyon auf der BLC in Wiesbaden im Jahr 2006 uns erzählte, gab es in den USA schonmal Ende der 80er eine Vampir-Romanregung die aber wieder im Sande verlief, weil: Wer ein bisschen Anspruch an seine Literatur hat, selbst beim "schnöden" Liebesroman, der will ja sowas nicht lesen... Aber die 3 Damen Feehan, Kenyon und Hamilton haben es geschafft den Vampirroman wie wir ihn heute kennen über diese Durststrecke hinwegzuretten. Sie haben für Millionen von amerikanischen LeserInnen neue Helden, Sexsymbole, anschmachtwürdige Protagonisten geschaffen, die nicht nur hübsch anzusehen sind, sondern neben einem ausgeprägten Gefühlsleben auch was auf dem Kasten haben und deren Geschichten man einfach liebt. Im Falle von Hamilton fühlt es sich beinahe so an, als schieße eine unsichtbare Hand aus den Seiten heraus, schnappt sich die Kehle des Lesers und lässt erst wieder los, wenn das Buch zuende ist. Natürlich haben sie damit auch viel Geld verdient und allen die bis dato noch abschätzig über sie lächelten, gefror eben dieses irgendwann im Gesicht. Bei Erfolg lacht plötzlich keiner mehr. Komisch, nicht wahr? Irgendwann ließ sich auch der ein oder andere mutige deutsche größere Verlag zu zögerlichem Übersetzen verleiten, freilich noch immer naserümpfend beäugt von den meisten Lesern. Wer konnte denn ahnen, dass man solchen Spaß am neuen Look der Vampire und Werwölfe bekommen kann, und irgendwann ist die Sache dann auch endlich in den Jugenbuchbereich gesickert, siehe Twilight (Biss zum ...). Da hat Frau Meyer echt Glück gehabt so spät nach dem Hype des paranormal Genres in den Staaten so einen Hammer gelandet zu haben, aber das ist wieder ein anderes Phänomen. Bleiben wir bei Feehan, Hamilton und Kenyon. Jede der drei Autorinnen hat eine andere Richtung eingeschlagen, und 3 verschiedene Typen des Genres erschaffen. Während Feehan mehr so in die seichtere, ich will nicht unbedingt sagen schmalzigere, aber doch eindeutig nackenbeißerische Richtung ging, haben Kenyon und Hamilton einen mutigeren Weg eingeschlagen, und eine Bresche in den Liro- und Unterhaltungsliteratur-Wald geschlagen den andere hinter ihnen nun pflastern, pflegen und weiterbeschreiten. Es ist wunderbar, dass alle drei Autorinnen noch immer fleißig schreiben, auch wenn die Regale sich nun immer mehr füllen mit Neu-Para-Autoren die ursprünglich aus anderen Genres kommen und nun auch ihren Spaß an dem Thema entwickelt haben. Während Kenyon den altbackenen Liebesromanhelden revolutionierte (in ihrem Fahrwasser segeln heute sehr erfolgreich u.a. J.R. Ward und Lara Adrian) ist Laurell K. Hamilton für mich die Mutter aller urban fantasy. Sie schaffte es sogar eingefleischte LiebesromanleserInnen in ihren oft blutigen Bann zu ziehen, obwohl es vor dem 5. Buch nicht einmal eine Liebesszene in den Büchern gibt. Okay, dafür ab Buch 9 umso mehr ;) Und diese sind für viele LiroLeserInnen eben oftmals doch das Salz in der Suppe, desto erstaunlicher ist es dass gerade Hamilton so unendlich viele Leser erst auf den Geschmack gebracht hat. Ursprünglich aus dem reinen Horrorbereich kommend hat sie mit ihrer einzigartigen Anita Blake eine Brücke geschlagen, die keiner mehr einzureißen vermag. Mittlerweile haben viele Normal-Liro-Autoren auch den Sprung in das Genre gewagt und sind mit Recht äußerst erfolgreich und beglücken alle, die nicht genug davon bekommen, mit leckerem Nachschub. Zu verdanken haben wir diese Entwicklung aber letztendlich den Damen Feehan, Kenyon und Hamilton.

Nun zu Anita:
Anita Blake ist eine Frau mit besonderen Talenten und mehreren Jobs. Am Anfang der Serie ist sie eine junge Frau, deren dunkles Talent sie quasi zwingt in der Animateur-Branche zu arbeiten, sonst könnte es unangenehm werden. Mit Animateur ist hier nicht der immer lustige Animier-Spaßvogel im Club Tropicana auf Malle gemeint, nein, ein Animateur ist ein „Zombi-Erwecker“. In Anitas Universum, das Anitaverse wie Fans es nennen, ist das ein praktisches Talent, kann man doch ermordete Leute fragen wer ihr Mörder war oder wo das Testament denn versteckt ist. Nach getaner Arbeit, dem Befragen, werden die Leichen wieder sauber zur Ruhe gelegt. Anita ist da pietätsvoll :) Aber sie ist auch noch eine „Hinrichterin“. Die Vampire nennen sie „the executioner“ und haben mächtig Angst vor ihr. Dieser Teil ihres Jobs kommt zum Einsatz, wenn beispielsweise jemand testamentarisch festgelegt hat, dass er – sollte er durch einen Vampirbiss zu Tode gekommen sein – gepflockt werden will um nicht als Untoter wieder aufzuerstehen. Aufgrund ihrer beiden nicht alltäglichen Jobs, bei denen es meistens anders kommt als erwartet, wurde sie im Laufe der Zeit zu einer Spezialistin für übernatürliche Kriminalfälle, Morde etc. Eine Spezialeinheit der Polizei zieht sie daher immer öfters zu Rate. Nun, hinzu kommt, dass sie selbst eine gehörige Portion gesunde Angst und Respekt vor den „Monstern“ in ihrer Welt hat und sich am Anfang der Serie mächtig gegen die Tatsache wehrt, dass diese Monster auch nur leben wollen und oft harmlosere Biester sind als der Mensch an sich. Der Leser begleitet Anita auf ihrem Weg wie sie lernt immer mehr Talente in sich zu tragen, wie ihr klar gefasstes Weltbild mehr als ins Wanken gerät, wie sie sich durch ihr abenteuerliches und gefährliches Leben schlägt, sich verliebt und weiterentwickelt etc., auf ganz außergewöhnliche Art und Weise. Man verfällt dem Anitaverse mit Haut und Haar, und das nicht zuletzt wegen der ausgezeichneten Charaktere, Neben- und Hauptfiguren. Anita ist sarkastisch, stark und dennoch sehr liebend und verletzlich und im Grunde auf der Suche nach Erfüllung und Glück. Und dann ist da natürlich Jean-Claude, der Meistervampir und sein nicht gerade bester Freund Richard Zeeman, der High-School-Lehrer und oh, ja , Werwolf :) ...
Die Serie nimmt ab Buch Nr 9 leider eine Wendung und die Plots werden dünner, der Sex zum Teil nervig. Dennoch, die ersten Teile dieser außergewöhnlichen und Maßstäbe setzenden Serie sind ein Muss für alle urban fantasy Fans. Wer diesen Klassiker nicht kennt, hat was verpasst. Wer dann, nach Buch 9, noch immer weiterliest ist ein hard-core Fan, so wie ich, der einfach nicht los kommt vom Anitaverse. Viel Spaß beim Eintauchen und Einsaugen lassen!
  • Guilty Pleasures. Jove Books
  • The Laughing Corpse
  • Circus of the Damned
  • The Lunatic Cafe
  • Bloody Bones
  • The Killing Dance
  • Burnt Offerings
  • Blue Moon
  • Obsidian Butterfly
  • Narcissus in Chains
  • Cerulean Sins
  • Incubus Dreams
  • Micah
  • Danse Macabre
  • The Harlequin
  • Blood Noir
  • Skin Trade
  • Flirt
  • Bullet (2010)

DEUTSCHE ÜBERSETZUNGEN (Stand Juli 2009)
  • Bittersüsse Tode. (OT: Guilty Pleasures)
  • Blutroter Mond. (OT: Laughing Corpse)
  • Zirkus der Verdammten. (OT: Circus of the Damned)
  • Gierige Schatten. (OT: The Lunatic Cafe)
  • Bleiche Stille. (OT: Bloody Bones)
  • Tanz der Toten. (OT: The Killing Dance)
  • Dunkle Glut. (OT: Burnt Offerings)
  • Ruf des Blutes (OT: Blue Moon)
  • Göttin der Dunkelheit (OT: Obsidian Butterfly)erscheint 2010
Eure Cleopatra

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