Donnerstag, 3. September 2009

COYOTE DREAM von Jessica Davis Stein

Kennt ihr diese Bücher, die auf Seite 1 schon dieses gewisse Etwas versprühen und je mehr man liest, desto mehr wird man eingesaugt von der Atmosphäre? Mir passiert das leider nicht sooo häufig aber wenn, dann vergesse ich diese Geschichten, oder besser gesagt die Menschen die dort beschrieben wurden - ich möchte sie gar nicht Charas oder Figuren nennen, denn sie fangen in meinem Kopf ja regelrecht an zu leben - nie mehr.

Eines der schönsten Bücher dieser Art, die ich in den letzten Jahren gelesen habe, war Jessica Davis Steins "Coyote Dream" (aus dem Jahr 2004). Das Buch ist leider nur noch gebraucht zu erhalten, ich rate aber jedem der gerne amerikanische Originale liest und abtauchen möchte, in eine mitreißende und originelle Liebesgeschichte mit besonderem Flair, der sollte versuchen irgendwie an dieses Buch zu kommen (Amazon Marketplace beispielsweise, oder AbeBooks.de)

Die Jüdin, Sarah Friedmann, steht in ihrem Leben an einem Wendepunkt. Sie nutzt die Gunst der Stunde und fährt mit dem Auto von New York in den Südwesten der Vereinigten Staaten um indianische Kunst für den Kunsthandel ihrer Familie einzukaufen. Sie begibt sich das erste mal auf diese Reise, die früher ihr Vater unternommen hat, der aber aufgrund gesundheitlicher Probleme in diesem Jahr nicht fahren kann. Ausgerechnet mitten in der Wüste geht das Auto kaputt, aber ihr Glück im Unglück ist, dass sie sich unweit eines Navajo Reservats befindet, und Hilfe ist nicht fern. Die Hilfe erscheint in Form von Ben Lonefeather, der aber nicht als rettender Held dahergeritten kommt, sondern ihr lediglich weiterhilft, damit er wieder seine Ruhe hat. Und das möglichst schnell. Der indianische Künstler hat turbulente Jahre hinter sich und lebt zurückgezogen zusammen mit seinen Coyoten, die er von Welpen an aufgezogen hat. Coyoten lassen sich eigentlich nicht zähmen, aber irgendwie ist es ihm gelungen. Jedenfalls ist Ben Sarah gegenüber erstmal nicht die Ausgeburt an Höflichkeit, aber das ändert sich im Laufe der Zeit ;)

Diese Begegnung zweier so unterschiedlicher Menschen, mit höchst unterschiedlichem Backround (Jüdin/Indianer, Citygirl/Eremit) und aus extrem unterschiedlichen Welten stammend ist für beide lebensverändernd. Für mich als Leser war es eine Wonne dabei sein zu dürfen wie sie sich darüber hinaus nicht nur verlieben, sondern beide anfangen zu leben! Normalerweise begegnen sich Menschen die aus so verscheidenen Welten kommen erst gar nicht. Die Idee diese beiden aufeinander prallen zu lassen und sie verschmelzen zu lassen, als die legendären zwei zueinder gehörenden Hälften, hat die Autorin wundervoll beschrieben und nicht nur das. Sie hat die Emotionen transportiert und mich als Leser in ihren Bann gezogen. Faszinierend war, wie tief diese Geschichte geht, an der Oberfläche mag sie wie eine konstruierte 0/8/15 Story aussehen, doch die Autorin zeigt auf wie das Leben einen eben immer überraschen kann. Sie zeigt die Sorgen der Menschen auf, die Freuden, Leidenschaften, innere Kämpfe und saugte mich total ein in die Psyche ihrer Figuren, in deren Komplexität. Darüber hinaus lässt sie einen das Konzept von "Zugehörigkeit" neu überdenken. Das Ganze verpackt sie in eine wunderschöne Liebesgeschichte, die ich nur jedem ans Herz legen kann der des Englischen mächtig ist. Für mich eines meiner alltime-favorites und deswegen wollte ich euch davon erzählen. Coyote Dream bringt einen zum lachen, weinen, seufzen und vor allem vermittelt es eine relativ "realistische" Grundstimmung, ohne dabei zu sehr ins Melodramatische oder gar Tragische abzudriften. Für mich war die Mischung perfekt.

Die Autorin ist Psychologin, von daher erstaunt es vielleicht nicht, wie ausgefeilt und tief ihre Charaktere sind. Dass dies bislang das einzige Buch der Autorin ist, und keine weiteren Auflagen gedruckt wurden - es also kein Bestseller war - wundert mich etwas. Vielleicht liegt es daran, dass es für die "Oprah Listen"-Leser zu sehr Liro war und für die Liro Leser zu sehr nach zeitgenössischem Gesellschaftsroman klang. Ich weiß es nicht. Für mich ist es ein lesenswerter und empfehlenswerter Liro :)

Eure Cleopatra

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

 
Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de Blogverzeichnis