Dienstag, 1. September 2009

Interview mit der Autorin Tanya Carpenter


Tanya Carpenters Serie „Ruf des Blutes“ hat nicht nur Orchidee völlig in ihren Bann gezogen (eine ausführliche Serienbesprechung von Orchidee folgt in den nächsten Tagen), sondern auch viele Leserinnen und Leser in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Als eine der ersten deutschen Autorinnen, die im Bereich Vampirroman verlegt haben, hat sie sich schnell in die Herzen ihrer LeserInnen geschrieben. Ihre außergewöhnliche Vampir Serie erscheint seit 2007 im Sieben Verlag, wobei der erste Band ab Januar 2010 nun auch als Taschenbuch beim Diana Verlag erhältlich sein wird. Die Autorin lebt im schönen Hessen, ist viel beschäftigt und oft unterwegs, von daher freuen wir uns sehr, dass sie sich die Zeit genommen hat uns ein Interview zu geben!

Liebe Tanya,

zunächst einmal möchten wir uns herzlich bei dir bedanken, zum einen natürlich für deine tollen Bücher, zum anderen für dieses Interview, denn wir freuen uns sehr, dich ein wenig löchern zu dürfen ;)

Tanya Carpenter: Aber gern doch. Immer nur her mit den Fragen.

l-e: Du hast nicht nur mal eben einen kleinen Vampirroman geschrieben, sondern quasi ein Epos. Wie lange hast du daran gearbeitet?

Tanya Carpenter: Die Rohversion des ersten Romans war innerhalb eines Jahres fertig. Dann habe ich nach einem Verlag gesucht und dabei immer wieder überarbeitet. An den Folgebänden habe ich zeitgleich auch immer weitergeschrieben, sie sind alle noch nicht fertig, aber überall steht schon ein recht solides Grundgerüst aus Szenen mit dem sich schnell weiterarbeiten läßt. Insofern kann man also schon sagen, dass es ein jahrelanges Projekt ist, eine permanente Entwicklung, bei der sich noch immer vieles im Verlauf des Schreibens ändert und angepasst werden muss. Im Durchschnitt brauch ich momentan für die Fertigstellung eines weiteren Bandes jeweils 12 Monate, wobei ich ja nicht permanent nur daran arbeite, weil ich auch viele andere Projekte habe. Reine, effektive Schreibzeit für einen Roman würde ich mal 3-4 Monate schätzen und noch mal 1-2 für Lektorat und Überarbeitung.

l-e: Warum gerade Vampire?

Tanya Carpenter: Ich habe einen Hang zu Mystik und Magie. Außerdem gefiel mir die moderne Vampir-Literatur von Anne Rice oder Poppy Z. Brite. Vor allem die Rice-Vampire sprachen mich sehr an und so habe ich angefangen, selbst einen Vampirroman zu schreiben. Ich mag die düstere und sinnliche Macht, die den Vampiren innewohnt. Schöne Verführer mit einer schwarzen Seele. Der Rest kam von selbst, denn bei mir entwickeln sich Geschichten während des Schreibens. Am Anfang steht nur ein ganz grober Plot, der aber sehr wandelbar und flexibel ist. Zum Beispiel sollte eigentlich Armand das Zentrum der Geschichte sein, nun ist es Melissa geworden. Aber ich würde so eine Entwicklung niemals aufhalten, denn ich finde, es hat seinen Sinn, warum sich eine Geschichte so entwickelt und deshalb folge ich dann dem Weg, den der Faden nimmt, statt ihn zwanghaft in eine vorgefertigte Richtung zu lenken.

l-e: Als Vorreiter hat man es meistens etwas schwerer. Zu dem Zeitpunkt als du einen Verlag für deine Geschichte gesucht hast, hatten Autoren wie Anne Rice, Laurell K. Hamilton oder sogar schon J.R. Ward in den USA bereits angestammte Bestsellerplätze. Als begeisterter Leser des Genres seit über 12 Jahren (amerikanische Originale) hatte ich eine zeitlang den Eindruck, dass das Vampirgenre hier in Deutschland viel zu lange nicht sonderlich ernst genommen wurde. Letztendlich hast du als eine der ersten deutschen Vampirroman-Autoren den Markt hier eines Besseren belehren können und mit dazu beigetragen, dass dieses Genre auch hier salonfähig wurde. War es hart für dich dein Manuskript unterzubringen?

Tanya Carpenter: Ja, das kann man so sagen. Als unerfahrener No-Name, der ich nun mal war und deutsche Autorin mit einem Vampirroman, der dazu noch Überlänge besaß, was sehr viel Arbeit bedeutete, um es druckreif zu machen. Da kam einiges zusammen und es hat nur Absagen gehagelt. Martina Campbell und ihr Sieben-Verlag waren ein Glücksfall für mich, und ich bin sehr froh, dass ich mich auch ein Stückweit als Glücksfall für sie erwiesen habe, denn die Romane laufen ja sehr gut.

l- e: Der dreiste Vorwurf, selbst aus angeblichen Spezialisten-Mündern (wie z.B. ein selbsternannter Fachmann bei SAT1 neulich in die Kamera sprach) die modernen und momentan erfolgreichen Vampirroman Autoren seien alles Trittbrettfahrer von Stephenie Meyer, auf freilich niedrigstem Niveau, stimmt viele langjährige Leser des Genres gelinde gesagt etwas grimmig. Wie gehst du mit solchen Aussagen persönlich um?

Tanya Carpenter: Man kann sie eigentlich nur belächeln. Sich darüber aufregen bringt nichts und die Leser (auf die es letztlich einzig und allein wirklich ankommt) wissen es ja besser. Außerdem möchte ich ungern mit Stephenie Meyer verglichen werden und vergleiche mich selbst auch nicht mit ihr. Ihre Romane sind vorrangig Jugendromane, viele andere deutsche Vampirromane sind das keineswegs. Ich denke, da muss man das Genre Vampirroman auch noch mal in sehr viele unterschiedliche Bereiche aufteilen. Ein Markus Heitz schreibt zum Beispiel auch wieder eine ganz andere Stilrichtung in seinen Vampirromanen. Es gibt Romance, die Jugendromane, Dark, die Klassischen, Humoriges, das ist so vielfältig, es wäre ungerecht, das alles einfach über einen Kamm scheren zu wollen. Auch bei den Lesern gehen die Meinungen über dieser Untergenre stark auseinander, weil jeder seine eigenen Vorlieben hat.

l-e: Mich als Leser fasziniert mit am meisten an Autoren dieser Quell an Ideen der das Erschaffen einer neuen Welt und Charakteren ermöglicht, der letztendlich die Leser in seinen Bann zieht. Hast du diese Quelle die du in dir anzapfst schon immer gespürt? Wolltest du schon immer schreiben?

Tanya Carpenter: Ich war immer schon ein sehr phantasievolles Kind, habe meine eigene kleine Welt um mich herum erschaffen. Durch meinen Vater lernte ich mit 4 Jahren lesen und schreiben, verfasste selbst Kurzgeschichten über Tiere, später über Liebesromanzen und immer auch viel Lyrik, um meine Gefühle und Erlebnisse zu verarbeiten. Die Romane entwickelten sich nach und nach. Was ich aber ganz klar sagen kann ist, dass die Quelle immer da war und dass sie nahezu unerschöpflich ist. Fast täglich kommen neue Ideen hinzu; ich glaube nicht, dass ein Menschenleben reichen wird, sie alle zu Papier zu bringen. Und das Ganze potenziert sich durch die Zusammenarbeit innerhalb des Dark (K)Nights-Autorenensembles noch mal erheblich. Vor allem mit Melanie Wiechert kann ich nie telefonieren oder zusammensitzen, ohne dass wir zwei irgendwelche Plots entwickeln. Das ist ein Selbstläufer. Wir lachen viel dabei, was sehr gut tut und die Kreativität fördert. Auch bei Mark und mir ergeben häufig Sätze und Geschehnisse gleich den ersten Faden für eine neue Idee, innerhalb bestehender Serien oder für neue Projekte.

l-e: Was würdest du sagen unterscheidet deine Vampirromane von anderen?

Tanya Carpenter: Bei mir stehen die Charaktere mehr im Vordergrund, als die Geschichte. Ihre Konflikte – die inneren und die untereinander – machen das Besondere aus. Ich arbeite sie sehr gründlich aus, lass sie sich selbst weiterentwickeln. Man kann sagen, ich schaue ihnen dabei zu, wie eine Mutter ihren Kindern. Ab und an lenke ich sie wieder auf den rechten Weg, lasse ihnen aber alle Freiheit, ihren eigenen Weg zu gehen und erlebe voller Freude und Spannung, was aus ihnen wird.

Außerdem bin ich kein Freund von immer denselben Strukturen, ich habe verschiedene Vampirarten mit unterschiedlichen Legenden, mische Klassisches mit neuen Überlegung, das macht es vielfältig und immer wieder neu.

l-e: Wir könnten uns vorstellen, dass man als Autor zu jeder Figur ein besonderes Verhältnis entwickelt. Welche deiner Figuren ist dir am liebsten, welche dir am meisten ans Herz gewachsen und wen kannst du vielleicht selbst nicht leiden? :)

Tanya Carpenter: Ich finde es wichtig, als Autor eine Bindung zu seinen Figuren zu entwickeln. Wie soll ich ihnen sonst Leben einhauchen, wie mit ihnen mitfühlen und das dann auch dem Leser wiedergeben? Das Problem vieler, die gerne als Autor arbeiten möchten, ist die Distanz zu den Charakteren, die leider auch in den Texten immer spürbar ist. Dann fesselt eine Geschichte nicht so richtig.

Es gibt keinen Char, den ich gar nicht mag, ich kenne ihre Stärken und Schwächen, weiß, was sie zu dem gemacht hat, was sie sind. Mein Lieblingscharakter aus der Ruf des Blutes-Serie ist Lucien. Weil er so herrlich kompromisslos ist, um seine Macht weiß und sie skrupellos einsetzt. Er zieht im Hintergrund mehr Fäden, als man ahnt. Das wird im Lauf der Serie erst deutlich.


l-e: Wie viele Teile lang dürfen wir Melissa Ravenwood in der Ruf des Blutes Reihe noch begleiten? Gibt es noch andere Projekte an denen du arbeitest?

Tanya Carpenter: Ich arbeite immer an sehr vielen Projekten gleichzeitig, wobei natürlich der Schwerpunkt derzeit auf der RdB-Serie liegt. Es soll 6 Bände um Melissa geben, dann ist ihre Geschichte abgeschlossen.

Bonusbände über Armand, Lucien und Franklin sind denkbar und in Arbeit, ob sie auch in Druck gehen, wird man sehen. Das liegt ja auch immer am Verlag und an der Nachfrage, aber ich bin da recht optimistisch. Ansonsten schreibe ich derzeit ja auch viele Kurgeschichten für Anthologien von Alisha Bionda, zwei Gemeinschaftsprojekte mit Mark Staats über Vampire, zwei humorige Serien (eine mit Melanie Wiechert und eine mit dem kompletten Dark (K)Nights-Ensemble), die auf LITERRA starten sollen und jede Menge Fantasy und Dark Fantasy, teils ebenfalls durchaus humorig. Man darf sich also noch auf mehr von mir freuen. ;-) Und da sind die Lyrikprojekte, Krimis und Lovestorys noch gar nicht mitgerechnet. Sogar ein Kinderbuch habe ich angefangen. Ich lege mich halt ungern auf ein Thema fest, es wär zu schade um die Ideen aus den anderen Bereichen.

l-e: Wer einmal eine Lesung von dir miterleben durfte, der weiß, dass du meistens nicht nur einfach liest, sondern du und dein Partner, Mark Staats, machen immer auch einen sehenswerten Event daraus. Sich hinsetzen und einfach vorlesen ist ja im Grunde nicht sonderlich schwer, auch wenn es den ein oder anderen Überwindung kostet, aber seine Figuren zu verkörpern, inkl. Kostüm etc., das ist schon etwas Besonderes und macht den Zuhörern einen Riesenspaß – erfordert zudem auch etwas Mut von eurer Seite. Oder seht ihr das ganz locker? Wie kam es überhaupt dazu?

Tanya Carpenter: Es fing damit an, dass ich ein Gedicht für Mark schreiben sollte, zum Geburtstag seiner Mutter und ich lapidar meinte: „Okay, wenn du mir dafür den Lucien auf einer Lesung machst.“ Er hat zugesagt und wir haben auf der Marburg Con 2008 das erste Mal eine Dialoglesung gemacht. Da Mark aus der Rollenspielszene kommt und darüber hinaus eine Regieausbildung hat, ist er jemand, der so was gut in Szene setzen kann. Ich spiele liebend gern verschiedene Rollen, so kam es dann dazu, dass wir im nächsten Step passende Outfits besorgten und das entwickelt sich Stück für Stück weiter. Dialoglesen macht einfach viel mehr Spaß und nimmt meiner Erfahrung nach auch ein Stück Nervosität. Inzwischen bin ich kein bisschen mehr nervös oder aufgeregt bei einer Lesung, es waren auch sehr viele in den letzten zwei Jahren, da macht es irgendwann die Routine. Die Charaktere kommen besser rüber, wenn man mit verteilten Rollen liest und das Publikum geht mehr mit. Ähnlich einem Theaterstück. Mit dem Dark (K)Nights-Ensemble planen wir für nächstes Jahr auch Lesungen wo 3 Leuten gemeinsam ein Stück vortragen. Inzwischen haben wir Musik und Lichteffekte dazu genommen und schauen gerade nach Headset-Micros, damit es auch in größeren Räumen gut wirkt. So was baut sich nach und nach auf, aber an Events haben die Leute auch viel mehr Spaß und es bleibt länger in den Köpfen. Wenn die Leute rausgehen aus der Lesung und das Gefühl haben, gut unterhalten worden zu sein, dann sind wir glücklich.

l-e: Wo kann man dich als nächstes sehen und hören?

Tanya Carpenter: In diesem Jahr steht noch am 17.10. die BuCon in Dreieich-Sprendlingen und am 07.11. die Fantasy Days in Düsseldorf morgens und das Café Wahn in Gießen abends. Danach ist für dieses Jahr wohl erst mal Ruhe, aber die ersten Termine für 2010 stehen auch schon wieder fest.

l-e: Zum Schluß natürlich unser Hauptthema, Lieblingsbücher und Autoren: Welche sind denn deine?

Tanya Carpenter: Ich lese sehr gerne die historischen Romane von Gabaldon, von Anne Rice eher die älteren Sachen, die neuen sind nicht mehr so mein Ding. Fantasy und Historie allgemein mag ich sehr, z.B. auch die Bücher von Christian Jacq. Aber ich habe leider nur noch sehr wenig Zeit zum Lesen und wenn, dann sind es meist Rezibücher.

l-e: Welche Frage wird dir am häufigsten gestellt?

Tanya Carpenter: Die häufigste Frage ist natürlich, wann der nächste Roman kommt. *lacht* Der kommt planmäßig im Frühjahr nächsten Jahres. Was es bis dahin noch so alles geben wird und wie sich das nächste Jahr mit Veröffentlichungen für mich entwickelt, muss man abwarten. Pläne gibt es viele. Im Januar erscheint meine „Tochter der Dunkelheit“ auch im Diana-Verlag als Lizenzausgabe, worauf ich sehr stolz bin.


Davon losgelöst möchte ich vor allem sagen, wie glücklich und dankbar ich bin für die Menschen, die meinen Weg begleiten und mich unterstützen. Martina, Alisha, Mark, Mel, Linda, Andrea, meine Mutter, meine Freundinnen. Wenn auch nur einer dieser Menschen fehlen würde, wäre ich nicht, was ich bin. Und wenn ich meine Tiere nicht hätte, bei denen ich auftanken und zur Ruhe kommen kann, könnte ich manchen Berg nicht bezwingen, denn natürlich ist ein Leben, wie ich es derzeit führe auch stressig. Mit zwei Vollzeitjobs und den privaten Verpflichtungen. Doch bei jeder Lesung, jeder Messe und jeder Mail von meinen Lesern weiß ich, dass es das auf jeden Fall wert ist.

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Ein Besuch auf der
Homepage von Tanya Carpenter
sowie hier bei den Dark(K)nights
lohnt sich auf alle Fälle. Dort findet ihr ihre Bibliographie sowie Kurzgeschichten und Gedichte der Autorin. Ein weiteres interessantes Interview findet man auf der Randomhouse Verlagsseite

Leseproben (Einfach auf die Titel klicken)
Tochter der Dunkelheit
Engelstränen
Dämonenring
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Eure Cleopatra (die gerade in der HTML-Hölle weilt und euch bittet die unterschiedlichen Schriftarten zu entschuldigen ...)



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