Dienstag, 27. Oktober 2009

J.R. Ward: Covet. A Novel of the Fallen Angels (Spoiler im Text)

Dieses Buch hat mich mit einem Gefühl zurück gelassen, welches mir schwerfällt zu beschreiben. Es ist so, als ob ich in mein Lieblingsrestaurant gegangen wäre und man dort mein Lieblingsessen von der Karte gestrichen hätte. Es wäre zwar noch immer mein Lieblingsrestaurant gewesen, mit den freundlichen Kellnern, dem Spitzenkoch und dem schönen Ambiente, aber mir hätte der „Kick“ gefehlt auf den ich mich die ganze Woche gefreut hatte.

So, oder so ähnlich erging es mir beim Lesen von Covet. Dazu muss ich eines noch ganz deutlich sagen, falls das mein erstes Buch von Ward gewesen wäre, wäre ich wahrscheinlich grenzenlos begeistert gewesen. Da ich aber schon ihre BlackDaggerBrotherhood-Bücher kenne und die „Jungs“ darin heiß verehre, weiß ich, dass Ward eben „besser kann“. Ich weiß, dass Ward einen so von den Socken hauen kann, dass einem beim Lesen die Emotionen überkochen, dass man geschüttelt wird von den Protagonisten und ihren Schicksalen und dass einem vor lauter „OOOMPF“ die Ohren qualmen. Und dass einen die Figuren auch nach dem Lesen nicht mehr in Ruhe lassen, dass man so in die Geschichte eintaucht, dass man sie zeitweise mitlebt. Ward macht eigentlich ganz großes „Kopfkino“, damit sind die Ansprüche natürlich auch immens.

Aber erstmal zur Geschichte: Jim ist ein Auftragskiller, der sich sozusagen eine Auszeit genommen hat. Er hat auf seiner rastlosen Reise durch die Staaten einen Job auf einer Baustelle in Caldwell angenommen und es gefällt ihm recht gut. Am Vorabend seines 40. Geburtstages geht er mit zwei Kollegen, Eddie und Adrian, in den Club „IronMask“ auf ein Bierchen. Dort trifft er auf eine geheimnisvolle Frau, die ihn anspricht und beide verbringen ganz unverfänglich die Nacht miteinander. Am nächsten Morgen auf der Baustelle bekommt er den Schock seines Lebens: Sein Boss Vin diPietro besucht die Baustelle und an seinem Arm hängt seine Freundin, eben die Frau, die noch vor ein paar Stunden seinen Geburtstag so sexy versüßt hatte. Vor lauter Schreck macht er einen Fehler und es kommt zu einem folgenschweren Unfall, bei welchem ihn ein riesengroßer Elektroschock ins vermeintliche „Jenseits“ befördert. Doch Jim ist nicht wirklich tot, er erwacht sozusagen an der Pforte zum Himmel, wo ihm vier recht kuriose und natürlich attraktive „Engel“ einen Deal vorschlagen: Er ist der „Auserwählte“, derjenige Mensch, der genau zu 50% das Gute und das Böse in sich vereint und er soll das Schicksal von sieben Menschen „retten und so lenken“ dass diese die richtige Entscheidung in einer schwierigen Situation treffen. Es handelt sich um Menschen, die sich einer der sieben Todsünden haben zu schulden kommen lassen. Sollte Jim scheitern geht die Welt unter… .

Hier setzt auch der Titel an – covet heißt habgierig und dieses Adjektiv beschreibt Vin diPietro recht treffend. Er ist ein echter Selfmade-Millionär, ein Mann der sich seinen Reichtum schwer erarbeitet hat und diesen auch lebt. Für ihn ist nur das Beste gut genug, er ist als Boss ein eiskalter Geschäftsmann und in der Liebe ein abgeklärter Kerl. (Er hat vor vielen Jahren unbewusst einen Pakt mit einem Abgesandten des Teufels geschlossen und wer hätte es geahnt? Der Höllenhund ist eine heiße Brünette und er trägt HighHeels!) Er will sich mit seiner Freundin Devina (ja, die heißt wirklich so) zwar verloben, aber eine innere Stimme hält ihn immer noch davon ab, diesen letzten Schritt zu tun. Eines Abends begreift er auch warum, nämlich als er in die Augen einer anderen Frau sieht: in die Augen von Marie-Therese Boudreaux, der Chefhure vom ehemaligen ZeroSum und dem IronMask.

Marie-Therese heißt eigentlich Gretchen (ich denke mal das soll ein Bezug zu Goethes Faust sein, denn schließlich hat Vin auch einen Pakt mit dem Teufel geschlossen, so, wie der gut alte Dr. Faust es schon getan hatte) und ihr Leben ist ein absoluter Alptraum. Sie arbeitet als Prostituierte und hasst jede Sekunde ihres Lebens. Sie befindet sich undercover auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Ex-Mann. Der hatte ihr auch den gemeinsamen Sohn weggenommen und sie hat ihn nach Monaten nur mit Hilfe eines Privatdetektives zurück bekommen. Um die hohen Anwaltskosten und Rechnungen des Privatdetektives zu bezahlen hat sie keine andere Möglichkeit mehr gesehen, als anschaffen zu gehen. Da sie sich aufgrund ihrer Flucht auch nicht getraut hatte, einer „legalen“ Tätigkeit nachzugehen. Marie-Therese ist fertig mit diesem Leben und hält es kaum noch aus. In diesem Moment trifft sie Vin und dann ändert sich alles…, ob sie will oder nicht . Aber auch ihr Leben scheint plötzlich bedroht zu sein, denn ehemalige Freier von ihr werden ermordet aufgefunden und sie befürchtet, dass ihr Ex-Mann auf ihrer Spur ist. Um ihr Leben und das Leben ihres Sohnes zu schützen, will sie aus Calwell flüchten, doch schnell muss sie lernen, dass der Teufel ganz andere Pläne mit ihr hat… . Und dass man seinem Schicksal (Vin) nicht so einfach davon laufen kann.

Die Geschichte zwischen Vin und Marie-Therese hat mich wirklich berührt. Ich fand sie wunderschön. Allerdings hatte die Marie-Therese, die uns hier in Covet serviert wird, meiner Meinung nach nichts mit der zu tun, die wir aus Lover Avenged kennen. Die „alte“ war taff und ein Kämpfer, die „neue“ eine Frau am Scheideweg ihres Lebens, voller Selbstmitleid, Selbsthass und Zweifel. Eine Frau, die in der Religion verzweifelt nach Absolution für ihre Taten und Sünden sucht und die von der Autorin ständig mit Madonnenbildern und Heiligenstatuen verglichen wird. Nachdem ich mein altes Bild von Marie-Therese überwunden und mich auf die neue eingelassen hatte, kam ich mit ihr eigentlich ganz gut klar. Mit Vin hatte ich keine Anlaufschwierigkeiten, er hat mir sehr gut gefallen.

Vin und Marie-Therese scheinen also Jims erste Mission zu sein und er macht sich mit seinen beiden Freunden Eddie und Adrian, zwei gefallene Engel in Shitkickern und auf Harleys, dran, die Welt vor dem Untergang zu retten… . Indem er dafür sorgt, dass Vin und Marie-Therese sich finden und zwei „bessere“ Menschen werden.

So, was soll ich jetzt noch sagen?? Das Buch hatte einige Momente voller „Sternenglanz“, eben diese berühmten „Ward-Momente“. Doch es hatte auch den langsamsten Start aller Zeiten. Mein Gott, das war eine warm-up-Phase, wie ich sie noch nie bei einem Buch hatte, erst auf Seite 105 (!) hatte mich Frau Ward gepackt und ich hatte mich mit den Figuren und der Grundidee eingefunden, ich war in die Geschichte gesaugt. Allein ihre Vorschusslorbeeren durch die Brothers haben mich damals bei der Stange gehalten und ich hatte es auch nicht bereut im Nachgang.

Fazit: Würde ich die Brothers nicht kennen, wäre ich sicher sehr begeistert. Aber da ich sie kenne, hat es mir in Covet gewaltig an dem „OOOMPF“ gefehlt, den ich bei der BDB-Reihe so liebe. Aber was solls, es ist ein Buch von J.R. Ward und damit immer noch ein Knaller!

Im nächsten Jahr erscheint das Buch in deutscher Übersetzung bei Heyne unter dem Titel "Fallen Angels - Die Ankunft".

Abgesehen davon, am Ende stand ein Sneak Peak von „Lover Mine“, der Geschichte von John Matthew und Xhex, die Seiten haben mich wieder sofort eingesaugt und gebannt. Die Zeilen wurden lebendig und ich sah John, Qhuinn und Blay vor mir, sah wie sie sich bewegten und den entschlossenen Zug um Johns Mund, der mir sagte, dass er sich im Krieg befindet. Im Krieg mit seinen Feinden, die ihm seine Frau genommen haben… . Und da sah ich es wieder, dieses Leuchten zwischen den Zeilen, Frau Ward kann es eben doch! Ich kann das Frühjahr 2010 kaum erwarten, John und Xhex, die beiden sind das heißeste, was mir seit langem vor die Augen gekommen ist!

Alles Liebe, Eure Orchidee!
 
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