Donnerstag, 21. Januar 2010

LaVyrle Spencer: Ein Sommer in Maine / That Camden Summer


Roberta Jewett, eine starke und unabhängige Frau, die ihrer Zeit weit voraus war! Eines meiner unangefochtenen Lieblingsbücher von LaVyrle Spencer!

Es ist der Frühling des Jahres 1916, Roberta Jewett und ihre drei Töchter Rebecca (16), Susan (14) und Lydia (10) befinden sich auf den Weg in ihre Heimatstadt Camden in Maine. Roberta hat einen für diese Zeit revolutionären Schritt hinter sich, sie ließ sich von ihrem treulosen Schweinehund von einem Ehemann scheiden, um nun ihr Leben selbst und vor allem selbstbestimmt in Camden in die Hand zu nehmen.


Sie hat ein Haus in Camden gekauft und sobald sie und ihre Töchter sich ein wenig eingerichtet haben möchte sie als Bezirkskrankenschwester tätig werden. Als sie in Camden ankommen, weht ihnen ein scharfer Wind aus Ablehnung und Mißtrauen entgegen. Die Männer betrachten sie durchweg als Freiwild (schließlich ist sie ja geschieden) und schrecken auch nicht vor ungefragten Zudringlichkeiten zurück. Die Frauen begenen ihr mit äußerster Skepsis und Befremdlichkeit, sogar ihre Schwester und ihre Mutter werfen ihr nur Steine in den Weg, da sie eine geschiedene Tochter bzw. Schwester als Schande ansehen.

Doch Roberta ist kein Mensch, der sich an so etwas stört oder gar davon beeindrucken läßt. Viel zu glücklich ist sie darüber, die ehelichen Fesseln los zu sein. Sie will für sich und ihre Töchter selber sorgen und ist auch fest entschlossen dieses Ziel durchzusetzen. Ihre Töchter ziehen mit ihr am selben Strang, sie wurden von ihr zu kreativen Freigeistern erzogen, im Hause Jewett stand die eigene Selbstverwirklichung immer über gesellschaftlichen Konventionen und somit sind die drei Mädchen ein glücklicher und selbstbewusster Ausbund an Intelligenz, Spontanität und Wildheit in zerschlissenen Kleidern :-).

Im Camden angekommen entpuppt sich das bei ihrem Schwager (dem schmierigen Immobilienmakler der Stadt) gekaufte Haus als baufällige Bruchbude. Glücklicherweise naht recht schnell Hilfe in Person des Zimmermanns Gabriel Farley, der sich bereit erklärt, die Instandsetzung des Hauses durchzuführen. Gabe ist ein verschlossener Witwer, der mit seiner 14-jährigen Tochter Isobel ein zurückgezogenes Leben führt. Er hat die Tragödie des Todes seiner Frau Caroline nie verwunden und hegt und pflegt diesen schmerzlichen Verlust in seinem Herzen. Isobel freundet sich sehr schnell mit den lebensbejahenden Jewett-Mädchen an und verbringt viel Zeit bei Roberta im Haus, die dem Mädchen auch ein wenig die lang und schmerzlich vermisste mütterliche Zuneigung zukommen läßt.

Gabe wird von Roberta völlig überrannt. Nicht nur, dass sie so gut wie überhaupt nicht seinem Frauenbild entspricht, sie ist viel zu unabhängig, störrisch, unordentlich und selbstbestimmt als ihr (seiner Meinung nach) gut tut. Abgesehen davon, ist er völlig von ihr fasziniert. Es dauert allerdings ein wenig, bis er sich das selbst eingesteht. Beide werden Freunde und er ist auch der einzige Mensch in der Stadt, der ihr unter die Arme greift, als sie zum Beispiel so etwas "unerhörtes" tun möchte, wie sich ein Automobil zu kaufen.

Als Roberta das Opfer eines unausprechlich grausamen Übergriffes wird, ist es Gabe, der an ihrer Seite steht, für ihr Recht eintritt und schließlich auch sein Herz an diese außergewöhnlich tolle Frau verliert. Die Klatschbasen der Stadt schrecken auch vor Rufmord nicht zurück, alles gipfelt in der ungeheuerlichen Initiative Roberta die Töchter wegnehmen zu wollen.

Was für eine wundervolle Geschichte! Ich habe die Entwicklung von Gabe vom verschlossenen Witwer wieder hin zu einem offenen und herzlichen Mann regelrecht vor mir gesehen. LaVyrle Spencer entspinnt vor dem geistigen Auge des Lesers eine so zeitgetreue und vor allem fesselnde Geschichte, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann. Und das macht sie in ihrer so typischen flotten, unterhaltsamen und auch lebhaften Schrebweise, dass es nur so eine Freude ist! Mit unendlicher Genugtuung habe ich Robertas Siegeszug am Ende gelesen, ich hätte Gabe umarmen mögen, als er Elfred die längst fällig Abreibung verpasste und war ebenso traurig, dass ich viel zu schnell mit dem Lesen fertig war!!! Wunderschön und absolut uneingeschränkt lesenswert-empfehlenswert!!

Alles Liebe, Eure begeisterte Orchidee!

P.S. LaVyrle Spencer hat das Talent mir die Landstriche, in denen ihre Bücher spielen, immer so schmackhaft zu machen, dass ich sofort beginne Urlaube zu planen :-)!

(c) Photo by
Destination 360
 
Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de Blogverzeichnis