Mittwoch, 3. Februar 2010

Alisa Sheckley: Wolfsträume / The Better to Hold You

Diese Buch ist anders, als ich erwartet hatte. Ich bin mir auch sicher, dass man es entweder mag, oder beim Lesen abbricht. Mich hat das Buch von der ersten Seite an fasziniert, fast so, wie wenn man beim spazieren gehen einen außergewöhnlichen Käfer sieht. :-) Stellenweise lag das vor allem an dem brillianten, flüssigen und wunderbar leicht zu lesendem Stil der Autorin (übrigens Ich-Erzählstil). Das hat mich über so manches Fragezeichen bei den Protagonisten oder der Handlung hinweg sehen lassen.

Abra Barrow ist eine junge (29-jährige) Tierärztin im praktischen Jahr an einer großen New Yorker Tierklinik. Sie ist eine klassische Anti-Heldin, weder überbordend schön noch ansatzweise selbstbewußt lebt sie für ihre Arbeit und gibt nicht nur sich sondern auch ihren gesamten Stolz in ihrer schlechten Ehe völlig auf. Ihr Ehemann Hunter ist ein echt mieser Kerl, als freischaffender Journalist reist er durch die Welt und sieht in Abra eigentlich eher eine WG-Mitbewohnerin, die sich um seinen Kram kümmert wenn er unterwegs ist und mit der er ab und an mal schlafen kann, falls sich nicht etwas besseres findet. Er behandelt sie offen schlecht, bevormundet sie, flirtet vor ihr mit anderen Frauen und ist unendlich egoistisch, ich hätte Abra mehr als einmal, nein eher tausend Mal (!!) beim Lesen schütteln mögen!

Als Hunter von einer längeren Rumänienreise sichtbar verändert, scheinbar krank und noch unleidlicher zurück kehrt, weiß Abra anfangs nicht mehr was sie tun soll. Hunter wendet sich fast völlig von ihr ab, aber Abra ist nicht gewillt diese Ehe scheitern zu lassen. (Warum auch immer??) Sie gibt sogar ihren tollen Job auf um mit ihm nach Northside in die Wildnis und sein ehemaliges Elternhaus zu ziehen.

Während sich Hunter immer mehr verändert und immer rücksichtsloser wird, begegnet sie immer öfter Red Mallin. Ein faszinierender Mann, der im Einklang mit der Wildnis lebt und von Anfang an eines klar stellt: Er will Abra. Doch er ist nicht nur ein einfacher Mann, er ist ein Gestaltwandler - ein roter Wolf. Und Northside ist nicht einfach nur ein kauziges Dorf in der Einöde, es ist ein Ort an der "Grenze", der magischen Grenze zwischen den Welten.

Für Abra ist es ein ganz neues Gefühl begehrt zu werden, und so läßt sie sich auf ein gefährliches Spiel ein... . Anfänglich nicht ahnend, dass unter der Oberfläche Dinge lauern, die ihre Weltanschauung und ihr bisheriges Leben für immer auf den Kopf stellen werden. Denn ihr Nochehemann Hunter hat sich in Rumänien mit dem Lykanthrophie-Virus infiziert und wandelt sich in einen Werwolf und Magda (seine Alpha-Wölfin und Geliebte) ist auch schon in Northside.

Auf ihrer Homepage erklärte die Autorin (die übrigens die Tochter des bekannten SF-Autors Robert Sheckley ist), dass sie bei der Figur des Red Mallin Gary Sinise im Kopf hatte und zwar als Stu Redman in Steven King’s The Stand. Ein Mann, der seine wahre Stärken erst auf den zweiten Blick offenbart, aber dann richtig! :-) Ja, da gehe ich mit. Ich hatte aber auch beim Lesen einen Schauspieler im Kopf, der meiner Meinung nach optisch "mein" Hunter war, nämlich Paul Blackthorne, vielen als Shane Healy aus Lipstick Jungle bekannt. Magda hat mich an meine alte Russisch-Leherin erinnert :-), aber da hab ich kein Foto!! LOL

Eine wirklich interessante und faszinierende Nebenfigur war Abras Mutter Piper, eine alternde C-Klasse Hollywood-Diva, die in einigen drittklassigen Horrorstreifen in den siebziger Jahren einen Hauch Karriere machte und noch immer ihre Allüren pflegt. Sie lebt in einer großen Villa mit gefühlt 100 Katzen und hat ihr Haus für alle streunenden Tiere geöffnet, die bei ihr abgegeben werden. Herrlich schräg!!!
Alles Liebe, Eure Orchidee!

© Photo of Paul Blackthorne by 2008 NBC Universal, Inc.
(c) Photo of Gary Sinise taken from Alisa Sheckleys Homepage
 
Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de Blogverzeichnis