Samstag, 10. April 2010

Rezension "Versuchung des Zwielichts" von Lynn Viehl

Die Chirurgin Dr. Alexandra Keller ist eine Koryphäe auf dem Gebiet der plastischen Chirurgie. Sie ist wahnsinnig geschickt und außergewöhnlich schnell mit dem Skalpell. Darüber hinaus ist die in Chicago praktizierende Ärztin sozial engagiert. Das hat sich herumgesprochen und ihr Ruf bringt ihr eines Tages ein merkwürdiges Angebot ein. Der mysteriöse Milliadär Micheal Cyprien bittet sie eine Operation durchzuführen. Er wäre bereit ein paar Millionen Dollar dafür zu zahlen. Der Patient sei er selbst, allerdings müsse sie zu ihm fahren und die Operation bei ihm zuhause in New Orleans durchführen - und absolutes Stillschweigen darüber bewahren.
Alexandra schlägt das Angebot aus, worauf sich Cyprien zu einer extremeren Überredungsmethode entschließt, denn er braucht sie. Er lässt sie entführen. Alex ist davon natürlich alles andere als begeistert und entsprechend widerspenstig. Doch die mitfühlende Ärztin als auch die rationale Wissenschaftlerin in ihr lässt sich letztendlich auf den Deal ein um dem entsetzlich entstellten Mann wieder ein Gesicht zu geben – ein Mann der, wie sie feststellen muss, kein normaler Mann ist. Denn Cyprien ist ein Darkyn, eine Art Vampir, und Alexandra darf niemals das Wissen um seine wahre Existenz nach außen tragen. Sie schließen ein Abkommen und Alexandra operiert ihn unter ungewöhnlichen Umständen. Michael versetzt sich selbst in einen tanceartigen Schlafzustand, der ihn aber viel Kraft kosten wird, doch Alexandra kann die OP durchführen. Niemand hat allerdings mit Cypriens Assistentin gerechnet, der es nun lieber wäre, Alexandra würde nach beendetem Job von der Bildfläche verschwinden. Nachdem die Operation beendet ist, schließt sie Alexandra im Operationsraum mit Cyprien ein . Eine fatale Sache, denn nun ist Alexandra, ein Mensch, allein mit einem geschwächten, hungrigen und absolut unkontrollierten Darkyn dem jegliche Vernunft in seinem sich selbst auferlegten Zustand abhanden gekommen ist und der darüber hinaus noch viel Blut verloren hat. Er greift Alexandra an. Und noch nie hat ein Mensch einen derartigen Angriff überlebt.

Doch Alexandra wacht wieder auf. Allem Anschein nach, hat Cyprien sie mit irgendwas infiziert, das ihren Körper verändert. Sie ist fest entschlossen herauszufinden was genau mit ihr passiert und ihre Veränderungen wissenschaftlich zu untersuchen, während Cyprien sie davon zu überzeugen versucht, dass es Schicksal ist und sie nun zu ihm gehöre. Was Alexandra erstmal überhaupt nicht einsieht.

Und als ob das alles nicht schon dramatisch genug und Stoff für ein Buch allein wäre, hält Lynn Viehl uns Leser mit der Story von Alexandras Bruder John in Atem, die mit Alexandra und Cyprien eng verknüpft ist, auch wenn keiner das anfangs ahnt, denn er gerät in den Dunstkreis der Erzfeinde der Darkyn.

Alexandra ist eine außergewöhnliche Heldin. Sie ist Ärztin und Wissenschaftlerin mit Leib und Seele und obwohl sie hasst was Cyprien ihr angetan hat, muss sie sich zähneknirschend ihrem Schicksal erstmal fügen. Geschlagen sieht sie sich noch lange nicht und macht Cyprien und sich selbst oft das Leben schwer. Was als ungeplante Zweck- oder Unfallsbekanntschaft der beiden beginnt entwickelt sich im Laufe des Buches zu einer engen Beziehung und einer inneren Bindung die letztendlich in tiefe Liebe mündet.

Mir hat dieser zunächst total unromantische Aspekt und das sich langsam entwickelnde Vertrauen sehr gefallen. Alexandra ist sehr stur und realistisch denkend, manchmal zu sehr und man will sie schütteln, aber wenn man sich einmal in ihre Position hineindenkt, dann kann man sie doch auch wieder sehr gut nachvollziehen. Sie lässt sich nie die Butter vom Brot nehmen und selbst in ihrer doch recht ausweglos erscheinenden Opfer-Situation versucht sie ihren Kopf über Wasser zu halten und eine Lösung für ihr Problem zu finden und nebenbei noch alle Darkyn zu „retten“. Michael sieht viele Dinge anders als sie und da sind Spannungen natürlich vorprogrammiert, die Lynn Viehl oft mit Humor und Schlagfertigkeit seitens Alexandras zu einem absoluten Lesevergnügen macht. Doch die beiden sind ein tolles Paar und auch wenn Michael einem manchmal fast ein bisschen leid tut, denn mit Alexandra hat er - zusätzlich zu seinen eigenen nicht gerade kleinen Problemen - alle Hände voll zu tun, so ist ihre Beziehung für beide Seiten alles andere als langweilig und das machte mir großen Spaß.

Versuchung des Zwielichts (Original: If Angels Burn 2005) ist erst der Anfang einer komplexen Reihe über die Darkyn und ihrem Kampf gegen einen jahrhundertealten Feind. Leser die Alexandra und Michael Cyprien in ihr Herz schließen werden sich freuen, dass das Paar in jedem noch kommenden Teil einen sehr hohen Seitenanteil bekommen wird. Ihre Geschichte ist mit Versuchung des Zwielichts nicht abgeschlossen, sie sind immer ein wichtiger Part jeder neuen Geschichte und Entwicklung dieser. Und auch Alexandras Bruder John bleibt ein wichtiger Charakter der Serie. Es gibt also viel worauf man sich auch nach Beendigung des ersten Teils noch freuen kann.



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Eure Cleopatra
 
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