Mittwoch, 2. Juni 2010

Interview mit Sarah Schwartz

Heute möchten wir euch die Autorin Sarah Schwartz in einem kleinen Interview etwas näher vorstellen. Wir haben sie auf der BLC 2010 getroffen und sie war so lieb und hat uns ein paar neugierige Fragen beantwortet :)

Die meisten dürften sie unter dem Namen Sarah Schwartz kennen, aber das ist nicht ihr einziges Pseudonym. Vielleicht habt ihr sogar schon etwas von ihr gelesen, und wusstet es gar nicht ;)
Im Internet und in Zeitschriften veröffentlichte sie bereits diverse Kurzgeschichten. Sie schrieb für die Science-Fiction-Serie »SunQuest« des Fabylon-Verlags und für die Romanserien »Maddrax« und »Sternenfaust« des Bastei-Verlags verfasste sie unter dem Pseudonym Michelle Stern bereits gut zwei Dutzend Romane.
Ihre Erotik-Romane Tokyo Sins und Tokyo Fever sind im Original bei Plaisir d'Amour erschienen und wurden von Ullstein als Taschenbücher herausgegeben. Ihre neueste Reihe „Blutseelen“ erscheint wieder beim Plaisir d'Amour Verlag. Der erste Teil „Amalia“ ist seit April 2010 im Buchhandel erhältlich.

Liebe Sarah,
du schreibst unter verschiedenen Pseudonymen, in unterschiedlichen Formaten und Genres, wobei die Elemente Phantastik, das Mystische und Besondere dabei immer im Vordergrund stehen. Woher kommt dieser Quell an Ideen und Geschichten in dir? War der schon immer da? Geerbt? Erlernt? :)


Ich hatte schon als Kind eine starke Vorstellungskraft. Angeregt wurde sie durch einen Zweig meiner Familie, der ausgeprägt kirchlich orientiert ist. Mit etwa fünf Jahren war ich überzeugt davon, mit Jesus per du zu sein, und gerade die allsonntäglichen Geschichten haben mich begeistert. Auf den ersten Blick mag das befremdlich sein, wenn man sich nicht mit der Kirche befasst: Die Kirche zeigt den Menschen das Wunder. Da werden Kranke mental geheilt, Wasser in Wein transformiert und Teleportationskräfte entwickelt, die Menschen übers Wasser tragen. Nach einer klassischen Theodizee-Frage – ich war damals sieben und sauer auf meinen Kumpel Jesus, weil alle meine Haustiere Richtung Paradies abzogen – entdeckte ich die große Welt des Lesens. Plötzlich kamen zu den allsonntäglichen Geschichten ganze Welten hinzu. Phantastische Welten, in denen ich neben Winnetou durch die Prärie reiten und mit Bastian die Kindliche Kaiserin retten konnte. Das war mein Wasser des Lebens und ich konnte davon nicht genug bekommen. Nach der Trennung von meiner christlich orientierten Familie und meines Vaters von der Kirche, suchte ich mir ab zwölf härtere Kaliber wie Stephen King, die ich zunächst heimlich mit der Taschenlampe unter der Bettdecke las, bis ich herausbekam, wie ich die Tür so abdichten konnte, dass man draußen im Flur das Licht nicht sah. Von da ab stand meinem nächtlichen zweiten Bildungsweg nichts mehr im Wege.

Ich habe einmal gelesen, dass du deine Magisterarbeit über „Buffy – im Bann der Dämonen“ geschrieben hast. Ein ungewöhnliches aber durchaus cooles Thema für eine Magisterarbeit. Wie kamst du auf diese doch relativ ungewöhnliche Idee? Wie haben deine Professoren darauf reagiert? Würdest du jungen Studenten heute zu ähnlichem raten?

Ich habe in Frankfurt unter anderem den Studiengang „Kinder und Jugendbuch“ gewählt, weil er für seine Öffnung zum Multimedialen bekannt ist. Auf die Idee, das Thema zu wählen, kam ich in einer Lesung über Medienverbundangebote, denn auch „Buffy“ existiert in Buchform. Da ich mich schon lange im Bann der Jägerin befand, war der Schritt zu einer Anfrage gering. Mein Professor hat sich sehr gefreut, nicht wieder eine Arbeit über Erich Kästner oder ein anderes Thema zu lesen, über das schon etliche Arbeiten vorliegen. Gerade deshalb rät er jungen Studenten neue Wege zu beschreiten. Pop Kultur wird immer wieder unterschätzt und eine Auseinandersetzung an Universitäten halte ich für wichtig, damit nicht aus Klischee auf das Populäre herabgesehen wird.

In welchen Bereichen deiner Arbeit fühlst du dich am wohlsten?

Puh. :) Eine schwierige Frage. Letztlich ist es die Phantastik, die mich zum Schreiben brachte und ich liebe den phantastischen Bereich. Trotzdem machen mir auch alle anderen Projekte Freude. Ich liebe es, Geschichten zu erfinden und habe einen Hang zum Dramatischen. Außerdem mag ich es, mich auszuprobieren, auch in der Sience Fiction oder der Erotik.

Du hast das Schreiben zweifelsohne in dir, aber dennoch zusätzlich auch von der Pike auf gelernt. Wo und wie hast du dich ausgebildet?

Neben der nächtlichen Stephen King Lektüre habe ich mehrere Schreibwerkstätten und Seminare besucht. Darüber hinaus habe ich einen Kurs an der SGD-Darmstadt im Fernstudium belegt. Ich weiß, dass solche Kurse umstritten sind. Manche Menschen glauben, Schreiben sei im Gegensatz zum Malen etwas, was man nicht lehren und lernen kann. Ich bin nicht dieser Auffassung. Jeder Mensch, der gerne schreibt und den nötigen Durchhaltewillen besitzt, kann lernen ein technisch gutes Buch zu schreiben. Wenn er dann noch die nötige Einfühlungsgabe hat, Charaktere mit Leben zu füllen, und die Logik, das alles authentisch zu gestalten, wird daraus ein guter Roman werden.

Neben dem Schreiben hast du noch eine andere Passion. Die Kampfkunst. Kannst du uns ein bisschen was darüber erzählen?

Kampfkunst fasziniert mich, seitdem es Wrestling gibt. Mein Bruder und ich haben das oft nachgespielt und auch in der Schule kam es hin und wieder vor, dass ich mit anderen Kindern – nur Jungs – aneinandergeriet. Man sagt, ein Pferd lässt sich von einem Reiter lenken, weil es gar nicht auf die Idee kommt, wie stark es ist. Bei mir war das umgekehrt. Ich bin eins fünfzig groß, habe mich aber nicht so gefühlt und grundsätzlich keine Ungerechtigkeit ertragen. Deshalb ging ich nie einem Kampf aus dem Weg und das Lernen durch Erfolg bestätigte mich darin. Schon als Jugendliche wollte ich Kampfkunst machen, bekam es aber von meinem Vater verboten. Da ich Sport allgemein mag, ging ich ab achtzehn in ein Fitnessstudio, in dem auch Kampfkunst mit Ausdaueraspekt angeboten wurde. Außerdem suchte ich mir eine weiter entfernte Kampfkunstakademie, an der ich Kung-Fu-Grundzüge lernen konnte. Nachdem ich den Unterricht dort aus Zeitgründen abbrach, suchte ich eine neue Herausforderung und fand „Zornhau“, einen Verein für historisches Fechten in meiner Nähe. Am historischen Fechten reizt mich, dass es kein Budo ist, also kein asiatischer Kampf. Auch in Deutschland gab es ein vollausflektiertes Kampfsystem, das in Vergessenheit geriet, und das neben dem Kampf mit dem Langen Schwert und Einhandwaffen auch den waffenlosen Kampf einschließt.

Dein neuestes Projekt ist die „Blutseelen“-Trilogie, die gerade ihren Start im Plaisir d'Amour Verlag hatte. Um was geht es da?

In der Blutseelen-Triologie geht es um Amalia, eine junge Frau, die eine besondere Gabe hat, von der sie aber zunächst nichts weiß. Dafür weiß eine ganze Horde von Vampiren und Werwölfen dank erfolgreicher Recherche sehr genau, welche Gabe Amalia hat, wenn sie denn die Richtige ist. Und da all diese Nachtgestalten ganz dringend auf jene geheimnisvolle Gabe angewiesen sind, versuchen sie, Amalia in ihre Gewalt zu bekommen. Auch der Vampir Aurelius wird auf Amalia angesetzt, um zu prüfen, ob sie die Richtige ist, und um sie in seinem Sinn zu beeinflussen. Dabei muss Aurelius feststellen, dass Amalia mental stärker ist, als vermutet und dass er selbst beginnt, sich in sie zu verlieben. Da aber für einen Vampirkrieger der Klan über allem steht, kann er eine solche Liebe nicht zulassen.
Zusammengefasst geht es um: Vampire, Werwölfe, ein dunkles Geheimnis, Liebe, Intrigen, Verrat, Überraschungen, und die große Frage, ob das alles gut ausgehen kann.

Vielen herzlichen Dank für das schöne und interessante Interview, Sarah.

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Auf der BLC 2010 hat die Autorin für uns einen Ausschnitt aus "Blutseelen: Amalia" gelesen. HIER ist das Video

Mitte Juni ist Sara Schwartz bei der Aktion 30 Tage 30 Fragen von Lovelybooks dabei!
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Eure Cleopatra

Photo (c) Stefanie Rafflenbeul
 
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