Mittwoch, 1. September 2010

Megan Hart: Dirty

Elle ist eine junge erfolgreiche Frau. Sie hat einen tollen Job in einem Finanzunternehmen, ein eigenes Häuschen und trägt auf ihren Schultern Ballast in der Größe eines Wohnblocks mit sich rum... .
Elle ist eine Überlebende, und genau das ist auch der Punkt, sie überlebt, aber sie lebt nicht. Was sie in ihrer Kindheit durchleiden musste war ein jahrelanger Alptraum, der sie gedanklich auch heute nach zehn Jahren noch nicht losgelassen hat. Sie hat sich verschiedene Strategien zurecht gelegt, mit denen sie ihr Leben kontrolliert und für sich überschaubar gestaltet, denn es gibt nur zwei Dinge, die sie kurz ihren Schmerz vergessen lassen: einmal die Zahlen, wenn sie zählen, multiplizieren, dividieren, addieren und subtrahieren kann fühlt sie sich sicher. Die andere Sache ist Sex, wenn sie die Kontrolle abgeben kann und sich für ein paar Minuten in einem anderen Menschen verlieren kann, rattert nicht der Horror ihrer Kindheit ständig vor ihrem inneren Auge... .

Sie geht keine festen Beziehungen ein und sie verliebt sich nicht, denn das kann sie nicht steuern und sie will auch niemanden mit ihrem Geheimnis schocken. Bislang ist sie mit dieser Strategie einigermaßen gut durchs Leben gekommen, bis sie Dan trifft... .

Dan ist ein faszinierender Mann, sexuell ebenso offen wie Elle und eigentlich viel zu gut um real zu sein :-). Er läßt sich auf ihr Spielchen ein: keine feste Beziehung, nur Spass und keine Verpflichtung. Doch je näher sich beide kennenlernen, umso schwerer fällt es ihm, sein Versprechen zu halten. Doch er rennt bei Elle immer wieder vor eine Wand. Er kommt nicht an sie ran, er spürt ihren inneren Kampf und bleibt trotzdem außen vor. Selbst wenn er sich noch so rühend um sie kümmert.

Der Covertext des Buches ist völlig irreführend und ich hab mich über ihn sehr geärgert. Wenn man ihn liest erwartet man einen oberflächlichen Sex-Roman, in dem sich alles um Schokolade und irgendwelche Eskapaden dreht. Das wird dem Roman nicht ansatzweise gerecht. Das Buch ist natürlich voller Sexszenen, aber die sind nie unpassend oder aufgesetzt. Sie sind vielmehr der Weg zur Beziehung zwischen Elle und Dan und ein Ventil für ihre Gefühle. Elle braucht den Sex um sich lebendig zu fühlen und Dan, nun gut, er ist kein Kostverächter ;-). Aufgrund des Covertextes hätte ich mir jedenfalls das Buch nie gekauft und ich kann mich nur bei meiner Lesefreundin Camie bedanken, dass sie es mir so heiß empfohlen hat :-)), sonst wäre mir ein Juwel durch die Lappen gegangen.

Die Beziehung zwischen Elle und Dan entwickelt sich langsam und sie ging mir tief unter die Haut, wie Elles Geschichte überhaupt. Sie ist eine klassische "tortured heroine" und das Buch ist ein erotischer Roman der für mich eher in die Sparte Erotikdrama gehört. Die beiden werden mich gedanklich nicht so schnell loslassen und das ist auch das, was ich von einem Buch erwarte, es soll mich rütteln und beschäftigen. Auch die Nebenfiguren sind hervorragend herausgearbeitet, ihr homosexueller Bruder Chad, ihre Kollegin Marcy, ihre bösartige Mutter oder auch ihre Nachbarn.

Absolute Leseempfehlung von mir!!

Alles Liebe, Eure Orchidee!
 
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