Montag, 2. August 2010

Rezension: Rachel Gibson "Nothing But Trouble" (Was sich liebt, das küsst sich 2011)

Chelsea Ross hat einen Traum. Sie möchte als Schauspielerin ihr Geld verdienen. Aber wie so viele Menschen, die aus diesem Grund in Los Angeles leben, hält sie sich mit Jobs als Assistentin von Promis und mit kleinen Rollen über Wasser und hofft insgeheim immer auf die Rolle ihres Lebens.
Sie befürchtet aber, dass sie auf diese eine Rolle ewig warten muss, so lange sie aufgrund ihrer großen Oberweite auf bestimmte Rollentypen reduziert wird.
Sie hat Angst die ewige „scream queen“ zu bleiben. (Die erste Mieze die in einem Horrorfilm abgeschlachtet wird)

Ihre Schwester arbeitet für das Management der Seattle Chinooks (eine NHL Eishockey Mannschaft) und beschafft ihr einen Job als Assistentin für den verletzten Mark Bressler, Kapitän der Eishockeymannschaft die gerade den Stanley Cup gewonnen hat. Dafür muss Chelsea nach Seattle ziehen, aber der Job kommt mit einem Sonderbonus: Wenn sie 3 Monate dort arbeitet, bekommt sie einen großen Batzen Geld nochmal extra obendrauf. Von diesem Geld könnte sie sich eine Brustreduktion leisten, denn ihre Oberweite behindert nicht nur ihre Karriere als Schauspielerin, sondern ist für sie tatsächlich körperlich eine Last. Sie hat Rücken- und Schulterschmerzen und fühlt sich obendrein damit extrem unwohl, weil es einfach nicht zu ihrer restlichen Figur passt. Alle halten sie deswegen für verrückt, aber sie ist fest entschlossen.

Mark Bressler hat 8 Jahre bei den Seattle Chinooks gespielt. Davon war er 6 Jahre lang der Kapitän. Er hat für den Sport und seine Mannschaft und das Ziel, den Stanley Cup zu gewinnen, hart und mit allem was in ihm war gearbeitet. Das Schicksal wollte es aber nicht, dass er je um diesen Cup spielen durfte. Kurz vor dem Spiel hat Mark einen fürchterlichen Autounfall bei dem er beinahe ums Leben kommt. Seine Verletzungen sind schlimm und selbst 8 Monate danach ist er körperlich noch nicht wieder ganz hergestellt.
Sein einer Finger wird wohl für immer steif bleiben, Hüfte und Oberschenkel sorgen dafür, dass er schlecht laufen und vorerst nicht mal selbst Auto fahren kann. Das Management der Chinooks stellt ihm eine Pflegerin zur Verfügung aber Mark möchte niemanden um sich haben. Mit Erfolg vergrault er alle ihm zugeteilten Krankenschwestern und hält sogar von seinen Freunden Abstand.
Kurzum; er ist auf dem besten Weg in eine tiefe Depression. Als das Management ihm letztlich Chelsea ins Haus schickt, stellt diese klar, dass sie sich mehr als seine Assistentin sieht und nicht als Krankenschwester und schafft es trotz seiner Beleidigungen und seiner abweisenden Art einen Fuß in seine Tür zu bekommen. Sie ist schwierige Arbeitgeber gewohnt und so schnell wie die anderen wird er Chelsea nicht los.
Darüber hinaus ist sie anders. Nicht nur trägt sie schrille Klamotten, ist fähig und nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen, sie ist eine Art Pit Bull der plötzlich einfällt und sein Leben organisiert und ihn Stück für Stück aus seiner Depression zieht. Auch wenn er sich mit Händen und Füßen dagegen wehrt. "kickin' and screaming" sozusagen ;)

Seit ich 2003 „See Jane Score“ (Sie kam, sah und liebte) von Rachel Gibson gelesen hatte, habe ich hin und wieder nach einem Buch von ihr gegriffen, aber See Jane Score blieb bislang mein Lieblingsbuch von ihr.
Mit „Nothing but Trouble“ knüpft sie an „See Jane Score“ meiner Meinung nach an, und das nicht nur weil es rund um das gleiche Hockeyteam spielt.

„Nothing but Trouble“ ist ein lockerer und teilweise spritziger contemporary romance mit einem grummeligen, mega sexy Sportlerhelden. Das Gefühl für die Protas springt auf alle Fälle über, die Dialoge sind oft herrlich. Lediglich das Ende des Buches ging mir irgendwie zu hastig, und ein paar Kleinigkeiten hätten noch vertieft oder wenigstens erwähnt werden können, aber das ist für mich eigentlich der einzige kleine Minuspunkt und wird vielleicht im nächsten Band der Seattle Chinooks erklärt. Klar hat Gibson das Rad nicht neu erfunden, (Parallelen zu SEP und Deirdre Martin sind durchaus vorhanden) aber wer Sportler Liros liebt, wird hier bestens unterhalten. Sportler Liros laufen meist ziemlich nach dem gleichen Schema, das macht es zwar nicht zu einem mega spannenden, dafür aber zu einem kurzweiligen, oft amüsanten Leseerlebnis, mit bewegenden Einsprengseln.

Der deutsche Klappentext der im nächsten Jahr erscheinenden Übersetzung namens „Was sich liebt das küsst sich“, ist mal wieder irreführend und auch leicht verfälscht.

Da steht:
Für den gut aussehenden Mark Bressler gibt es zwei Arenen, in denen er unschlagbar ist: auf dem Eishockeyfeld und im Bett. Bis er sich vor einem wichtigen Spiel verletzt – und strikte körperliche Schonung – in jeder Hinsicht – verordnet bekommt. Mark lässt seine schlechte Laune an jedem aus, der ihm über den Weg läuft.

Also sorry, aber kein Mensch hat Mark körperliche Schonung verordnet – im Gegenteil er hat ständig Physiotherapie und arbeitet täglich an seiner Fitness, und seine hier so seicht bezeichnete „schlechte Laune“ sind beginnende Depressionen, deren Ursache nicht Sexentzug ist! Sein Körper und seine seelische Verfassung sind sein Problem. Ganz ehrlich, aufgrund des deutschen Klappentextes hätte ich das Buch nicht gekauft.

Wem das genauso geht, dem empfehle ich mit gutem Gewissen das amerikanische Original, ganz besonders wer jetzt noch eine hübsche Urlaubslektüre sucht, die nicht allzu schwer im Magen liegen sollte und an Strand und Pool für ein Wohlgefühl beim Lesen sorgt.

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eure Cleopatra



Quelle Bild Stanley Cup: Wikipedia

 
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