Dienstag, 21. September 2010

Federica de Cesco - SILBERMUSCHEL

In der Kategorie "alte Schätzchen" (unter dem Label habe ich schonmal "The Bronze Horseman"/"Die Liebenden von Leningrad" von Paullina Simons vorgestellt, und Orchidee Virginia Henley) möchte ich heute einen Roman besprechen, den ich vor ca. 10 Jahren entdeckt habe und der heute noch zu meinen Lieblingsbüchern gehört.

Silbermuschel von Federica de Cesco.

Die Autorin Federica de Cesco wurde in Italien geboren, wuchs in verschiedenen Ländern mehrsprachig auf und studierte in Belgien Kunstgeschichte und Psychologie. Sie lebt mit ihrem Mann in der Schweiz. Als sie "Silbermuschel" schrieb, hatte sie bereits über fünfzig höchst erfolgreiche Romane für Kinder und Jugendliche sowie mehrere Sachbücher verfasst. "Silbermuschel" war ihr Debüt in der Erwachsenen-Belletristik. Mittlerweile hat sie auch in diesem Bereich mehrere Romane verfasst, aber keiner konnte mich bisher so fesseln wie "Silbermuschel". Hier findet sich alles Wissenwerte über die Autorin und ihre Bücher.

Zum Buch:
Die Französin Julie hatte eine extrem schwere Kindheit. Um daraus zu entfliehen stürzte sie sich in eine lieblose Ehe mit einem Schweizer Unternehmer. Ihre furchtbare Vergangenheit hat Narben auf ihrer Seele hinterlassen und verfolgt sie auf Schritt und Tritt. Ihre Fähigkeit zu lieben ist fast völlig abgetötet. Julies Freundin überredet sie irgendwann, für zwei Wochen mit nach Japan zu reisen. Julie stimmt zu und kommt mit. Die Begegnung mit der fremden Kultur wird für sie zu einer Offenbarung. Sie saugt alles auf und ist mehr als fasziniert. Das Land öffnet sie wieder für Gefühle, die sie längst für abgestorben hielt.

Eines Abends besucht sie ein japanisches Theater und begegnet dort dem Künstler und Regisseur Ken. Ken ist Trommler (er spielt die große Trommel in dem Ensemble, unten habe ich ein you-tube Video zu Yamato verlinkt, das einen Eindruck verschafft um was für ein Ensemble es sich bei Kens Theatertruppe handelt), Heiler, Schamane und Julie bewegt etwas in ihm, das er tief in sich vergraben hat. Denn auch er trägt die Wunden seiner nicht gerade glücklichen Kindheit mit sich und für beide beginnt eine Zeit der Heilung und des sich Öffnens. Der Leser begleitet die beiden dabei auf intimste Weise. Man ist Zeuge wie sie sich psychisch und physisch einander öffnen, begegnen und versuchen ihre jew. Vergangenheit zu bewältigen und zu verarbeiten. Es entfaltet sich eine Geschichte über zwei Seelenpartner, die große Liebe, Heilung, Sinnlichkeit und Spiritualität.
Nebenbei gibt es einen Einblick in die japanische Kultur, den ich sehr spannend und nicht zu überladen fand. de Cesco ist mit einem Japaner verheiratet, von daher denke ich hat sie das Aufeinanderprallen der westlichen und der östlichen Kulturen innerhalb einer Beziehung sicherlich aus dem perfekten Blickwinkel beschrieben.

Auf über 750 Seiten begleitet man Julie und Ken bei ihrer Geschichte. Und die geht unter die Haut.

Vielen Liro-Lesern ist das Buch damals durch die Lappen gegangen - was ich superschade finde. Es wurde nicht als Liebesroman vermarktet und die "normalen Romanleser"-Reaktionen waren entsprechend zwigespalten. Silbermuschel war mMn seiner Zeit voraus. Heute wäre es vermutlich ein weiterer paranormaler Liebesroman, oder eher gesagt ein Liebesroman mit paranormalem und mystischem Touch. Vielleicht traute man Liro-Lesern nicht zu ein Buch zu mögen, zu verkraften oder zu akzeptieren, in dem ua. auch der Atombombenabwurf auf Hiroshima ein Thema ist. Genausowenig wie man Brockmanns Troubleshooters nicht von Anfang an übersetzt hat, weil auch da 2. Weltkriegs Thematiken verarbeitet wurden. So traurig das ist, der Intellekt deutscher Liebesromanleser wird nunmal immernoch gerne und oft beleidigt. Andererseits fühlen sich die "nicht-Liro-Leser" wiederum in ihrem Intellekt beleidigt wenn man ihnen eine erotische Liebesgeschichte, verpackt in einem normalo-Roman, kredenzt. Das Buch greift Thematiken auf, die nicht trivial sind, hat einen sehr eindringlichen Stil, eine blumige, schöne und ehrliche Sprache aber auch viele erotische Szenen und obendrein noch einen paranormalen Touch. Ich glaube die Leute wussten nicht so recht wo sie es hinstecken sollten. Anscheinend teilt man einfach gerne was in Schubladen ein und lässt sich ungern überraschen. ;) Wie dem auch sei, Silbermuschel saß damals etwas zwischen den Genre-Stühlen, aber ich bin der Ansicht, die moderne Leserschaft von Liebesromanen wüsste das Buch heute sehr zu schätzen.

Ich empfehle Silbermuschel als Herbstanfangs-Schmöker-Tipp :) Die meisten Rezensionen zu dem Buch sind älterer Natur, daher dachte ich, ich gebe dem Buch mal einen Ehrenplatz auf unserem Blog. Vielleicht traut sich ja jemand dran, nachdem sie/er das hier gelesen hat. Mich würde es freuen, denn das Buch ist es wert.

hier gibt es eine Leseprobe:
LESEPROBE bei bilandia


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eure Cleopatra

photo: Yamato - Drummers of Japan (Hier ein Ausschnitt aus deren Programm)
 
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