Montag, 4. Oktober 2010

Anne Stuart - RUTHLESS - the house of Rohan Teil 1

Man muss das Rad nicht immer neu erfinden. Man kann durchaus mal alte und vielleicht sogar relativ ausgelutschte Plots amüsant und unterhaltend neu verpacken. Das beweist Anne Stuart mit dem ersten Titel ihrer neuesten historical Trilogie "The House of Rohan", RUTHLESS.

Wer Anne Stuart kennt und ihre oft bitterbösen Held liebt, wird sich genau wie ich, über diese neue Trilogie freuen! Wer allerdings zarte romantische Liebelei mit einem sanften über-Helden der das Herz und die Moral am rechten Fleck trägt, in historischem Setting erwartet, der ist bei Anne Stuart meist an der falschen Adresse.

In RUTHLESS geht es um Eilnor und Lydia Harriman. Die Schwestern leben in ärmlichen Verhältnissen, gemeinsam mit ihrer alten Nanny, einem ältlichen Diener/Kutscher und ihrer totkranken Mutter. Die jungen Frauen haben keine große Aussicht auf eine Besserung ihrer Lage, da die Mutter das gesamte Geld verprasst hat und aufgrund ihres Lebenswandels auch nicht gerade zum guten Ruf der Familie beigetragen hat. Einzige Hoffnung ist ein entfernter Cousin, der das Erbe des Vaters - der von der Mutter geschieden ist - geerbt hat. Aber bislang konnten sie diesen noch nicht aufsuchen.

Im Moment ist das Geld wiedermal extrem knapp, die kleine Familie weiß nicht so recht wie sie die nächste Woche überstehen soll, da verschwindet die Mutter mit dem allerletzten Schmuckstück um es bei Kartenspielen oder sonstigem sündigen Verhalten auf einer Feierlichkeit des Heavenly Host zu verprassen. Das Fest findet im Chateau des berühmt berüchtigen Lord Rohan statt, der auch "Der Prinz der Dunkelheit" genannt wird und andere Namen dieser Art trägt :) Elinor kann nicht zulassen dass ihre nicht mehr ganz zurechnungsfähige Mutter dort versackt, die letzte Reserve verspielt und beschließt kurzerhand sie aus diesem Sündenpfuhl heimzuholen. Womit sie bei ihrer Rettungsaktion nicht rechnet, ist Lord Rohan selbst. Dieser entdeckt Elinor natürlich auf ihrer Befreihungstour und ist fasziniert. Rohan ist abgestumpft, gelangweilt, eigenwillig und glaubt nicht mehr an das Gute im Menschen, oder gar gute Menschen. Elinor ist anders als alle Frauen denen er je begegnet ist. Schlagfertig, eigensinnig und extrem interessant, wie er findet. Er beschließt die Mutter heimzuschicken, die Tochter aber, die will er noch etwas in seinem sündigen Haus behalten ...

Wir haben hier also den typischen Stuart Held, der denkt seine Seele sei sowieso verdammt und er sei durch und durch böse, sieht aber selbst nicht, dass eigentlich sein Herz nie vom rechten Fleck abgerückt ist. Trotz extremem Lebenswandel. Das Schöne an Stuarts Helden dieser Art ist, dass diese Männer in der Tat keine Heuchler sind, oder aber gar wirklich böse. Sie verhalten sich so wie sie meinen sich verhalten zu müssen, sind selbst davon überzeugt, dass sie ihre Seele verloren haben, ja, aber im Grunde sind sie gequälte Seelen oder eben Menschen die durch äußere Umstände nur die dunkle Seite ihres Selbst leben und die helle Seite ist verdeckt, aber nicht verloren. Sie denken immer selbst über sich das Schlechteste. Dennoch, wenn sie dann "aufwachen", dann entschuldigen sie sich nicht weichei-ig für das was sie gelebt und getan haben. Im Grunde haben sie dann einfach ihre dunkle und ihre helle Seite akzeptiert. Vielen Leserinnen geht das am Ende nicht immer weit genug. Sie wollen die Typen auf dem Boden kriechen sehen LOL, sowas gibts aber bei Anne Stuart nicht. Zumindest nicht so, wie es erwartet wird um das "Dunkle" etwas aufzuwiegen. Ich schätze die Autorin dafür sehr, denn Gekrieche und Gejammer oder gar überzogenes Selbstmitleid und wundersame Wandlungen stören mich in Liros doch gewaltig. Was ich hingegen sehr schätze ist trockener Humor und spritzige Dialoge. In beidem ist Stuart eine Meisterin!

Stuarts Heldinnen sind manchmal etwas anstrengend, aber mit Elinor hat sie diesmal eine geschaffen, die mir Spaß gemacht hat. Elinor ist überzeugt davon, dass sie selbst ein hässliches Entlein sei und tut alles, wirklich alles, um ihre zauberhafte jüngere Schwester zu beschützen, ihr eine Zukunft zu ermöglichen. Auch das ist keine neue Idee. Hinzu kommen noch ein paar Zwischenfälle, und Bösewichte, die wir so oder ähnlich auch schon öfters mal gelesen haben. Also ich, und ich bin jetzt kein großartiger Historical Leser! Das spricht zwar nicht für die Originalität des Romans, dennoch, auch wenn zudem manches einem etwas schnell abgehandelt vorkommt, das Buch ist ein kurzweiliges und nettes Lesevergnügen, dass vor allem an einem verregneten und kühlen Herbst/Winter-Wochenende auszgezeichnet unterhält und ich daher schon sehr empfehlen möchte.

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eure Cleopatra
 
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