Sonntag, 19. Dezember 2010

- Adventsspecial - Interview mit Olga A. Krouk


4. Advent





Unseren Adventsspecial-Abschluss macht dieses Jahr ein sehr interessantes Interview mit der Autorin Olga A. Krouk für euch! Der dritte Band ihrer aktuellen Trilogie, "Hexenseelen", ist diesen Monat erschienen und kann ab morgen hier bei uns sogar gewonnen werden. Frau Krouk wird das Buch exklusiv für den Gewinner signieren!









Liebe Olga,
seit wann lebst du in Deutschland und wie kam es dazu? Konntest du schon vorher Deutsch sprechen (und schreiben) oder hast du dir die Sprache erst erarbeiten müssen?

Ich bin 2001 nach Deutschland gekommen, offiziell wegen meines Studiums, inoffiziell wegen eines Jungen. Wir haben uns im Rahmen eines Austauschprogramms kennengelernt und dann ist etwas Ernstes daraus geworden. Es war eine Liebe wie in einem Roman: Mit dem Hals-über-Kopf-Verlieben, einer Fernbeziehung, der Suche nach der Möglichkeit, zusammenzubleiben und schließlich die Vereinigung in Deutschland. Doch anders, als in vielen Jugendbüchern gab es kein Happy End.
Die deutsche Sprache habe ich in einer Schule mit erweitertem Deutschunterricht gelernt. Ich war in der fünften Klasse, als ich in diese Schule gekommen bin, meine Mitschüler hatten zu dem Zeitpunkt schon seit der zweiten Klasse Deutschunterricht gehabt. In dem Sommer vor dem Schulbeginn hieß es also: Pauken, pauken, pauken und die zwei Klassen nachholen (die vierte Klasse wurde damals übersprungen, weil das Schulsystem reformiert wurde). Später ging ich aufs College, an dem sogar einige Fächer in Deutsch unterrichtet wurden. Somit hatte ich schon eine solide Basis gehabt, bevor ich nach Deutschland gekommen bin. Erst in Deutschland habe ich auch verstanden, dass man das Schreibhandwerk lernen muss, um gut schreiben zu können. Ein „Ich habe schon immer gute Aufsätze geschrieben“ reicht hier nicht aus.

Wie war, rückblickend, das Jahr 2010 für dich? Gab es besondere Momente? Überraschungen? Kuriose Begebenheiten?

Es war ein sehr unbeständiges Jahr. Geprägt von euphorischen Höhepunkten bis zu niederschmetternden Ernüchterungen. Es war ein Jahr, in dem ich viel gelernt habe, zum Beispiel was es heißt, den Beruf „Autor“ auszuüben. Ich habe auch gelernt, mit Höhepunkten und Niederlagen umzugehen und am Ball zu bleiben, obwohl die Zweifel einen zu übermannen drohen. Die Entwicklungen am Ende des Jahres lassen mich optimistisch in die Zukunft blicken und ich bin gespannt, was 2011 auf mich zukommt. Etwas ganz besonderes hat mir das Jahr aber dennoch geschenkt: Mein aktuelles Projekt. Es war am Anfang widerspenstig wie kein Roman zuvor, und jetzt ist es mein liebstes literarisches Baby. Diese Geschichte hält mich gefangen und egal, wie oft ich den geschriebenen Text schon gelesen habe – er begeistert mich immer wieder. Vor allem bin ich in Gallagher, die männliche Hauptfigur verliebt. Anfangs nur als Statist gedacht, hat mich sein Auftritt im Roman so umgehauen, dass ich den gesamten Plot umgestellt habe, damit er die Hauptrolle bekommen kann.

Gibt es eine bestimmte Lektüre oder ein spezielles Buch, das von dir an Weihnachten immer wieder hervorgeholt und gelesen wird, das für dich ganz persönlich einfach zur Weihnachtszeit dazu gehört – auch wenn es beispielsweise gar kein klassisches „Weihnachtsbuch“ ist? Oder vielleicht eine bestimmte Sorte Bücher die an Weihnachten einfach sein müssen?

Nein, eigentlich nicht. Ich mag die deutsche vorweihnachtliche Zeit sehr, aber lesetechnisch gibt es keine Rituale – ich bin stets auf der Suche nach etwas Neuem. Ich freue mich auf die Feiertage und hoffe, dass ich dann etwas mehr Zeit haben werde, um all die spannenden Bücher, die in meinem Regal stehen, zu lesen. Gerade überlege ich, womit ich mir die Weihnachtszeit versüßen kann: mit „Engelsjagd“ von Andrea Gunschera, „Die Auswahl“ von Ally Condie oder mit „Ascheherz“ (eine indirekte Fortsetzung von „Faunblut“) von Nina Blazon. Über alle drei Bücher habe ich schon viel Gutes gehört, da die Entscheidung zu treffen, wird nicht leicht sein.

Wenn du dir es aussuchen könntest, mit welchem fiktiven Buchhelden würdest du gerne mal einen Tag in den verschneiten Bergen, mit Schlittenfahrt und gemütlichem Hüttenzauber, verbringen. Was würdest du ihn fragen?

Eine schwierige Frage. Wäre ich 13 Jahre jünger, wäre das vermutlich Finn aus „Kein Kuss für Finn“ (Brigitte Melzer) geworden. Die Figuren waren so liebevoll gezeichnet, dass mir die Trennung von ihnen schwer fiel. Besonders Finn hat mich mit seiner Art sehr berührt. Wenn es um meine eigenen Romane geht, dann vermutlich der Namensvetter des obengenannten Kandidaten. Finn aus „Nachtseelen“ und sein Seelentier, der Rotmilan Athene. Er erschien mir so interessant, dass aus ihm, einer Nebenfigur in „Schattenseelen“ der Held des 2. Bandes geworden. Und – ein seltsamer Zufall – ausgerechnet Brigitte Melzer hat ihm das Leben gerettet. Denn eigentlich habe ich schon fast geplant, ihn in „Schattenseelen“ umzubringen. Was das Fragen angeht – hm. Verschneite Berge, ein gemütlicher Hüttenzauber – manchmal kann ein Schweigen in Zweisamkeit mehr sagen, als tausend Worte. Aber allen Buchhelden würde ich jederzeit meinen Mann bevorzugen, weil er auch nach fast sieben Jahren Beziehung immer noch mein Herz höher schlagen lässt.

Mit welcher weiblichen Buchheldin würdest du gerne mal einen Tag in einem Luxus-Spa verbringen? Und warum gerade diese?


Ich fürchte – mit keiner. Solche Luxus-Spa-Urlaube sind nicht meine Welt, so wie ich mich auch mit anderen „typischen Frauendingsen schwertue. Ich habe zum Beispiel keine beste Freundin, dafür aber einen besten Freund. Ansonsten ist Kate Daniels aus „Die Stadt der Finsternis“-Reihe meine absolute Lieblingsheldin. Mit ihr könnte ich in den Zoo gehen und im Löwengehege ganz gespannt einen Picknick veranstalten, nachdem sie den besonders unartigen Raubkatzen in den Allerwertesten getreten hat.


Wie feierst du mit deiner Familie das Weihnachtsfest? Hast du ein paar liebgewonnene Traditionen? Kannst du uns ein bisschen was über das russische Weihnachtsfest erzählen, und wie viele deutsche Traditionen fließen in deine Feierlichkeiten mit ein?


In Russland fällt Weihnachten auf den 7./8. Januar und wird kaum gefeiert, weil die ehemalige UdSSR größtenteils atheistisch war. Inzwischen kehrt das Fest zurück, hat aber nicht die Bedeutung von Silvester. Das traditionelle russische Weihnachtsfest ist anders, als jenes, das man in Deutschland kennt, und erinnert eher an Halloween. Man sagt, dass in dieser Nacht die Grenze zur „anderen Welt“ verschwimmt und viele Geister und Dämonen in die Menschenwelt kommen. Damit die Geister die Menschen nicht erkennen und nicht in das andere Reich verschleppen, müssen die Menschen sich verkleiden. Danach geht man von Tür zur Tür, singt Lieder (Koljadki) und bekommt dafür Süßigkeiten und andere Leckereien. Wer keine Süßigkeiten hergibt, dem werden Streiche gespielt: z.B. wird die Tür mit Wasser übergossen und da der Winter in Russland meistens kalt ausfällt, friert das Wasser ein und man kommt dann schwer aus dem Haus. Diese Nacht ist auch wunderbar dafür geeignet, um die Zukunft vorauszusagen. So knüllt man ein Blatt Papier zusammen, zündet es an und versucht, in dem Licht-Schatten-Spiel, das an die Wand geworfen wird, visionsträchtige Bilder zu erkennen. Oder die Methode mit zwei Spiegeln und einer Kerze – aber Vorsicht: seeehr gefährlich :)
Zu Weihnachten kommt in Russland kein Weihnachtsmann. Geschenke verteilt Väterchen Frost und zwar zu Silvester, in der Nacht vom 31.12 zum 1.1. Zu Silvester wird auch der Tannenbaum geschmückt.

Hast du so etwas wie “mein schönstes Weihnachtserlebnis” oder eine besondere Erinnerung an die Adventszeit, die du gerne mit uns teilen möchtest?

Da die großen Feierlichkeiten in Russland zu Silvester stattfinden, erzähle ich lieber darüber. An diesem Tag gibt es immer sehr viel zu essen. Es ist ein besonderes Fest, an dem man sich die Köstlichkeiten leistet, die man sonst nicht kaufen könnte. So ist es mir nach/während der Perestroika-Zeit in Erinnerung geblieben, als meine Familie wirklich sehr sparen musste – zu Silvester gab es immer Leckereien, viele Salate, Drei-Gänge-Menü und die Zitronenbrause – damals noch sehr, sehr teuer. An diesem Fest gilt die wichtigste russische Regel umso mehr: Wenn am Ende der Feierlichkeiten noch die Torte zerteilt wird, dann ist das Fest misslungen. Zur Erklärung: Es gibt sie immer – die obligatorische Torte als Nachtisch. Doch meistens ist man bei einem russischen Fest schon so gesättigt, dass die Torte in keinen Bauch mehr passt. Im Fernsehen läuft dann ein lustiges Programm mit vielen aktuellen Songs und Promis, und davor gibt es immer den Film, der jedes Jahr am 31.12. gezeigt wird. Nein, nicht „Dinner for one“ – aber man merkt, einige Traditionen sind landesübergreifend. Zu dem Song-Programm haben wir oft getanzt. Ich als Teenie habe eines Jahres mit meinem Vater herumgealbert und so ungestüm getanzt, dass uns der Parkettboden unserer Oma unter den Füßen eingebrochen ist. Das mit Laminat notdürftig geflickte Loch blieb noch jahrelang vor dem Fernseher sichtbar. Ich muss sagen, ich weiß gar nicht, ob meine Eltern den Boden inzwischen neu verlegt haben oder ob es das Loch immer noch gibt.

Ganz lieben Dank, dass du dir die Zeit genommen und unsere neugierigen Fragen beantwortet hast! Frohe Weihnachten!!

Ich wünsche allen Lesern eine schöne Weihnachtszeit und keine Löcher im Parkett, und bedanke mich ganz herzlich für das Interview.








Foto Olga A. Krouk (c) Henriette Mielke, Style/Design Svitlana Cherner

Bild Väterchen Frost Quelle: Wikipedia
Andere Bildquellen: 123gif und hellasmultimedia.com
 
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