Freitag, 20. Mai 2011

J. R. Ward - Lover Unleashed (Black Dagger Brotherhood Book 9)

Es fällt mir sehr schwer eine Rezension zu diesem Buch zu schreiben, einfach weil mir zuviel dazu durch den Kopf geht. Es sind also eher meine Gedanken zum Buch, als eine echte Rezi.(Spoilergefahr!)

Eines möchte ich aber vorweg schicken, das Buch hat mich gefesselt, wunderbar unterhalten und wieder die gesamte Klaviatur der Gefühlsachterbahn bei mir durchgespielt.
Ich habe den Teil sehnsüchtig erwartet, wie jeden Band der Black Dagger Brotherhood. Aber er war gänzlich anders, als ich es erwartet hatte. Nicht nur in der Story an sich, sondern auch in der Entwicklung der einzelnen Protagonisten. Das ist ja nicht negativ zu sehen, aber es hinterläßt in mir gemischtere Gefühle, als gedacht.

Mit Xhex und John war die "romance back" in der BDB-Welt, dies hat sich mit Lover Unleashed leider nicht gehalten, das Buch war stärker von Urban Fantasy Elementen geprägt als Lover Mine.

Erst einmal ging ich davon aus, "Lover Unleashed" wäre die Story von Manny (Manuel Manello) und Payne. Die Story schließt exakt an das Ende von "Lover Mine" an und sollte sich um den ehemaligen Chef von Jane drehen, der Vishous schwerverwundete Zwillingsschwester heilen soll und dabei verlieben sich beide ineinander. Soweit so gut! Aber ehrlicherweise waren die beiden nur Statisten im Buch, deren Geschichte mehr Potenzial gehabt hätte, was aber nicht ausgereizt wurde. Warum? Darüber läßt sich sicher streiten... . Beide waren sehr süß, aber sehr süß erwarte ich nicht von Ward. Vielleicht wollte sie uns aber auch nicht mit Redundanzen überfrachten, da es die Kombination weibliche Vampirjungfrau und "bis-über-beide-Ohren-in-sie-verknallter" - Mensch mit Butch und Marissa schon gegeben hat. Aber was solls, ich hätte gerne mehr zu den beiden gelesen. Zumal ich Butch und Marissa damals wirklich genossen habe!! Vor allem, da Payne und Manny ganz andere Persönlichkeiten haben. Payne ist eine echte Kriegerin, die aber in "Lover Unleashed" mit erstaunlich wenig Pfeffer im Hintern daherkam.

Das Buch ist eigentlich der Abschluss oder die Weiterführung von "Lover Unbound", Vishous Geschichte. Darüber will ich mich auch sicher nicht beschweren, da Vishous schon lange zu meinen Lieblingen gehörte. Vishous steht in dem Buch kurz vorm explodieren. Es wird recht schnell deutlich, dass er den wiederholten Verrat seiner Mutter, der Scribe Virgin, nicht verkraftet. (Sie hatte ihm seine Zwillingsschwester unterschlagen.) Nun liegt also seine Zwillingsschwester schwer verletzt vor ihm und er steht kurz davor, sie schon wieder zu verlieren. Der einzige, der sie retten kann ist Manny, ein menschlicher Arzt, den er nicht mag und der sich auch noch auf den ersten Blick unsterblich in Payne verliebt. Genauso, wie sie sich in ihn. Dann verlangt auch noch Payne das Umögliche von ihm, er soll ihrem Leben ein Ende setzen, wenn sie nicht geheilt werden kann. Die Konflikte schaukeln sich schier ins unermessliche, bis er schlussendlich mit Jane so sehr aneinander gerät, dass die Beziehung der beiden auf der Kippe steht... .

V kommt an einem Punkt an, wo er nicht mehr weiter weiß. Er braucht eine "starke Hand" und glaubt sich jemandem (dem er vertraut) unterwerfen zu müssen. Dafür bietet sich natürlich sein Buddy Butch an, dieser ist natürlich immer für ihn da, wird aber dadurch auch in einen Zwiespalt gestürzt. Die Lösung für den Konflikt von Vishous und die Methode für den Abbau seiner inneren Anspannung war gewagt, denn beide haben eine Session miteinander. Die "Penthouse"- Szene mit Butch war etwas, was ich so aber eigentlich nie habe lesen wollen. Wirklich nicht. In einem anderen Kontext gerne, aber nicht zur Bewältigung von Eltern-Kind-Konflikten... . Das hat mir einfach nicht zugesagt. Ich finde ja immer noch, Ward hätte bei beiden am Anfang (bevor beide ihre Shellans gefunden hatten) etwas mutiger sein können, denn die Luft hat ja förmlich gebrannt zwischen ihnen :-). Aber egal. Die Tatsache, dass mein V hier plötzlich zum Sub mutiert stößt mir wirklich bitter auf, selbst wenn es mit Butch ist... . Auch gefällt mir nicht, dass V´s spezielle Vorlieben nun zur Verarbeitung seiner problematischen Kindheit herhalten müssen oder gar damit entschuldigt werden. (WTF!) Das stört mich wirklich. Sehr. Sehr. Sehr.

Das Buch ist eine einzige Baustelle voller kaputter Seelen. Nehmen wir zum Beispiel Blay und Qhuinn und Saxton und Layla. TRAGISCH! Qhuinn ist endlich ein wenig zur Vernunft gekommen und hat seine permanente Promiskuität an den Nagel gehängt, nachdem er eingesehen hat, dass es ihn nicht einen Meter weiter bringt, wenn er ständig nur mit Menschen rummacht, die ihm nichts bedeuten, während der eine Mensch, den er wirklich liebt im Nebenzimmer liegt. Allerdings liegt der ja aber leider in den Armen seines Cousins, aber da hat er ihn ja hingetrieben!

Doch auch Blay ist nicht völlig glücklich mit Saxton, denn er liebt Qhuinn noch immer. Beide reden aber nicht miteinander und das bringt mich um den Verstand. Zumal Saxton ja auch nicht dumm ist und weiß, was da eigentlich unterschwellig abgeht. Allerdings ist er recht pragmatisch und nagt am leckeren Blay-Steak solange er Gelegenheit dazu hat. Ich habe beim Lesen so langsam den verschrobenen Eindruck Blay und Qhuinn haben gefallen am Leiden gefunden... . Ich hoffe inständig, dass Ward uns bald erlöst und uns ihre Story schreibt!!! Bevor Qhuinn sich noch völlig aufgibt... . Denn er ist eigentlich ganz unten angekommen in "Lover Unleashed" und es bricht mir das Herz ihn so leiden zu sehen... .

Layla ist auch so ein hoffnungsloser Fall. Ich mag sie und ich finde, sie ist eine der unverstandesten und ausgenutztesten Personen der ganzen Reihe. Sie ist der exklusive Drive-in-Schalter für alle ungebundenen oder unversorgten Vampire der Bruderschaft. Jeder bedient sich ihrer Vene und keiner achtet auf sie oder ihre Bedürfnisse. Die größte Tragik aber ist, dass sie eine geborene Ehros ist und sich nichts sehnlicher wünscht, als endlich diese Berufung auszuführen. Doch niemand scheint sie zu wollen?! Sie ist unbändig in Qhuinn verliebt, doch dieser kann ihr nicht geben was sie braucht. Sie ist zerfressen von Selbstzweifeln, da sie glaubt, an ihrer Situation die Schuld zu tragen, dabei ist sie eigentlich nur der Spielball im Gefühlschaos der anderen. Als sich Qhuinn und sie endlich aussprechen, war ich so froh, dass diese Bombe erstmal entschärft war. Ich hoffe wirklich, sie bekommt noch einen Mann, der sie und ihre geschulten Qualitäten :-) zu schätzen weiß? Vielleicht einen von der Band of Bastards?? Vielleicht Throe?

Damit wären wir auch schon bei der nächsten Baustelle: der Band of Bastards.
Das ist eine Bande von Vampirkriegern, welche frei von Regelungen und bruderschaftlichen Dünkeln ebenfalls einen Feldzug gegen die Lesser führt. Bislang in Europa, aber nun hat es die Gruppe nach Caldwell verschlagen. Da Xcore, der Anführer dieser herrlich unziviliserten Kämpfer, es auf Payne abgesehen hat. Er hält sie nämlich für die Mörderin seines Vaters - den Bloodletter. Die Auflösung dieses Konfliktes war mir leider auch zu lauwarm... . Xcore jagt Payne seit über 200 Jahren, hat seinen ganzen Hass auf sie konzentriert und sie nun schlußendlich in Caldwell aufgespürt. Und dann reicht ihm ein einfaches Gespräch und ein bisschen Aufklärung durch Payne über die Wahrheit um den Bloodletter und Xcore ist besänftigt?? HÄÄ?? Hab ich da irgendwas verpasst??

Abgesehen davon liefern aber Xcore und sein Kumpel Throe die heißeste Szene im Buch mit einer "pageburning"-Dreierszene! :-)


Wenn wir bei Payne sind, dann muss ich auch noch etwas zu ihrer Mutter sagen. Payne ist ihre Tochter, sie ist schwerverwundet und verliebt sich dabei gerade zum ersten Mal. Wo verdammt nochmal ist da die SV?? Sollte sie nicht wenigstens ein bisschen Raum in der Geschichte bekommen?? Ich habe das echt vermisst!

Ebenfalls keine Erwähnung hatten Thor und NoÓne. Beide sind die Protas des nächsten Buches und ich hatte wirklich gehofft, hier schon ein bisschen auf die beiden vorbereitet zu werden. Leider fehlte mir das! Zumal ja NoÓne eigentlich mit Payne zusammen zur Bruderschaft kam. Und in LU wurde sie gar nicht erwähnt?!

Auch wurde einiges an Konflikt- und Gefühlspotenzial nicht ausgereizt. So war Wrath ja der schuldige an Paynes Situation, leider wurde das nicht thematisiert. Genauso wenig wie Paynes Racheakt am Bloodletter um V zu schützen/zu befreien. Da hätte ich mir bei beiden ein wenig Aufarbeitung gewünscht.

So, ich glaube einfach, das Buch wirkte für mich so unrund, weil einfach viele Stränge offengeblieben sind, nicht ausreichend genug beleuchtet wurden oder schlichtweg nicht wirklich einzuordnen gewesen war, wie die Nebenhandlung in der "realen" Welt um Veck. Er ist ja der Held von ENVY, dem dritten Teil ihrer FALLEN ANGELS. Ich mag es zwar, wenn Serien so lose verknüpft werden, aber dafür, dass so viele Hauptfiguren der BDB-Welt keine (oder zu wenig) Erwähnung fanden (Mhurder, NoÓne, Thor, SV, Wrath, etc.) hat mir dieser Erzählstrang zuviel Raum eingenommen.
Nichts desto trotz sind meine ganzen Kritikpunkte an dem Buch immernoch Jammern auf hohem Niveau. :-) Ward hat auf jeden Fall eines bei mir geschafft, ich habe mich noch sehr lange nach dem Beenden der letzten Seite mit dem Buch, den Figuren und der Geschichten befasst :-).


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Alles Liebe, Eure Orchidee!!


(c) das Bild von David Gandy ist von "angel inside". Das Bild verkörpert für mich V in Reinform, wundervoll!! :-)
 
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