Dienstag, 21. Februar 2012

"Between Sinners and Saints" von Marie Sexton

Manchmal denke ich recht vermessen, ich kenne sie ja fast schon alle - diese "WOW!"-Bücher, die es so gibt. Die Bücher die einem so wahnsinnig unter die Haut gehen, dass man nicht aufhören kann zu lesen, die einem nicht aus dem Kopf gehen den ganzen Tag, mit Protagonisten die man mag, mit denen man gerne befreundet wäre, denen man ihr Glück sowas von wünscht! - vor allem im Best- und Longsellerbereich in den Genres in denen ich so wildere, fand ich in letzter Zeit immer seltener etwas, was mich mal wieder emotional aus den Socken gepustet hätte. Wie neu, wundervoll, grandios, überraschend und unerforscht sind da doch die gay-romances für mich, von denen ich bislang sicher nichtmal die Spitze des Eisberges gelesen habe :)  Nach den bereits hier besprochenen Büchern ist mir jetzt aber wieder so ein WOW-Erlebnis zuteil geworden, in Marie Sextons "Between Sinners and Saints". Das wird nicht das letzte Buch der Autorin für mich sein, soviel steht schonmal fest! Ganz großartig!

Worum gehts nun? Levi Binder lebt seit 10 Jahren in Miami. Seinen Lebensunterhalt verdient er sich als Barkeeper in einer Schwulenbar, er schläft mit keinem Mann mehr als 3 oder 4 x und denkt sein Leben ist genau so wie er es will: Sex und surfen bestimmen seinen Alltag, pfeif auf Morgen, pfeif auf das was andere sagen, lebe jetzt. Seine Familie sieht er selten, obwohl er seine Eltern und seine Geschwister sehr liebt, kann er deren ständige Vorwürfe und Ratschläge bzgl. seines Lebens nicht ertragen - eher schiebt ihn jeder Vorwurf mehr weg von ihnen, hin zu dem was er lebt und worüber er sich definiert. Seine Familie ist extrem religiös - Mormonen - und sie sind der Ansicht, dass Homosexualität eine Sünde sei, dass man, wenn man schon schwul oder lesbisch sei, den "Lebensstil" - was immer sie damit meinen - einfach nicht leben sollte. So zumindest hat die Autorin es beschrieben, ich selbst habe keinerlei Ahnung was Mormonen so glauben. Das Einzige, was ich wusste, war, dass sie "Vielweiberei" nicht als Sünde betrachten - aber nicht mehr leben. Marie Sexton hat viel über den Glauben der Mormonen in diesem Buch vermittelt, und ich fand es ehrlich gesagt hochinteressant (wenn auch oft nicht nachvollziehbar) - aber meistens wollte ich Levis Familie einfach nur auf den Mond schießen ;)

Levi ist nun 30 Jahre alt, und langsam kommt er sich etwas alt vor - nicht nur weil die Barbesucher und Kollegen meistens alle jünger sind als er, nein jetzt leidet er zu allem übel auch noch unter extremen Rückenschmerzen. Auf Anraten seines Schwagers sucht er sich einen Physiotherapeuten und landet im Behandlungszimmer von Jaime.

Jaime ist Physiotherapeut. Er lebt allein mit seinem Hund Dolly in einem kleinen Haus in einem Wohngebiet. Seine Patienten behandelt er in einem Extraraum. Jaime ist okay damit allein zu sein. Er weiß, dass er schwul ist, hat aber keine Beziehung und will auch keine. Er erträgt keine Nähe, und anfassen lassen kann er sich schonmal gar nicht. Als Kind hat er Fürchterliches erlebt und er trägt heute noch das Trauma von damals in sich, ist sehr ängstlich und wird von Alpträumen geplagt. Sein Job gibt ihm Bestätigung, er ist sehr gut darin und er hat ihn gewählt, damit er mit Menschen in Kontakt kommt. Er sieht schon ein, dass er psychische Probleme hat, und war auch schon oft in Therapie. Sein Job hilft ihm nicht komplett zu vereinsamen. Als sein neuester Patient, Levi Binder, bei ihm auftaucht, ahnt er zunächst nicht, dass dieser Mann sein Leben verändern wird ...

Was zunächst nach einer unmöglichen Verbindung aussieht, entpuppt sich im Laufe des Buches zu einer extrem schönen und glaubhaften Liebesgeschichte. Beide leben ein Leben, das ihnen - so wie es ist - nicht gut tut und zusammen haben sie eine Chance sich gegenseitig "zu retten". Diese Entwicklung geht sehr behutsam und sehr emotional vonstatten. Dies ist kein Buch in dem die Erotik Vorrang hat, nein, hier geht es primär um die emotionale Entwicklung beider Charaktere, es geht um Wachsen, Lernen, Heilen. Um Liebe in vielen Facetten. Die Liebe innerhalb einer Familie, die Liebe in einer Beziehung. Es geht auch um Religion, diese im Alltag zu leben, und um die Akzeptanz lesbischer und schwuler Beziehungen in der amerikanischen Gesellschaft, insbesondere in einer Mormonen Familie.
Gleichzeitig gibt es unheimlich liebevolle, zaghafte und sinnliche Szenen, aber auch welche die mich einfach geärgert haben :) Einmal wurde ein Beinahe-Kuss in der Öffentlichkeit unterbrochen, da lief nämlich jemand an den beiden vorbei mit den Worten "das hier ist ein öffentlicher Strand, es sind Kinder hier" - der Protagonist aus dessen Sicht wir die Szene lesen hat sich darüber nicht weiter aufgeregt, seine Gedanken waren mit anderem beschäftigt. Mich als Leser hat das aber empört ehrlich gesagt. Wenn ein Heteropaar sich küssen möchte, sagt doch kein Mensch was. Das gibts in jedem Hollywoodfilm FSK 0! In jedem Disneyfilm!! Aber wenn zwei Frauen oder zwei Männer sich ihre Zuneigung in der Öffentlichkeit zeigen, mit einem Küsschen! da wird gleich die Jugend verdorben? WTF? Ich hoffe doch sehr diese 50er Jahre Spießigkeit ist einfach nur amerikanisch ...

Wie dem auch sei, auf dem amerkanischen Buchmarkt nämlich, gibt es wundervolle Romane in dem Genre und ich bin schon gespannt, was mir in Zukunft noch alles so vor das Kindle-Visir hüpft ;)

HIER ist die offizielle Seite von "Between Sinners and Saints", da darf man dann auch die "Fotos" der Protas bewundern, (vor allem Levi!!!! huiuiui) die die Autorin dort gepostet hat, denn die Cover-Helden sind jetzt nicht ganz so ... naja, sie haben sich Mühe gegeben ;) Auf der Seite findet man auch einen Textauszug.
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eure Cleopatra

Kommentare:

  1. Oh, das hört sich toll an!
    Marie Sexton steht mit diversen Titeln schon länger auf meiner Wunschliste (u.a. mit "Strawberries for Dessert"), gelesen habe ich von ihr aber leider noch nichts...

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    1. Hi Sarah!
      Unbedingt nachholen! :) Ich bin mir ziemlich sicher, wenn sie nicht in einem Nischen-Genre schreiben würde, wäre sie bei den großen Namen vorne dabei.

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  2. Hallo Sarah,

    "Strawberries for Dessert" ist der dritte Teil einer Serie. Er kann zwar alleine gelesen werden, es macht aber mehr Sinn (und auch Spaß), die beiden Vorgänger-Bände vorher zu lesen. Die Serie hat mich nicht ganz so vom Hocker gerissen wie das hier genannte Buch, ist aber dennoch empfehlenswert!

    VLG
    Fussel

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  3. Hey Fussel,

    danke für den Tipp, außer der Reihe lesen geht bei mir gar nicht! ;-)

    Liebe Grüße,
    Sarah

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  4. Die Coda-Serie von Marie Sexton (Promises, A-Z, Strawberries for Dessert) sowie die dazugehörigen Shorts The Promise, The Letter Z, Paris A to Z und Putting Out Fires sind absolut lesenswert.
    Ebenfalls eine wunderschöne Liebesgeschichte von ihr: One More Soldier.

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    1. Hallo GD, PROMISES fliegt schon Warteschleifen auf meinem Kindle ;)
      One More Soldier hatte ich noch gar nicht auf dem Schirm, danke für den Tipp!

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