Montag, 16. April 2012

Cirque du Minuit - Annabel Joseph

Dieses Buch ist nur für Leser über 18 Jahre geeignet! (bdsm-erotica)

Wie haltet ihr es eigentlich mit der Aussage:
"ich lese das Genre normalerweise nicht, aber das hier hat (sogar) mich überzeugt" - Also ich muss da immer etwas schmunzeln, das ist für mich oft eher abschreckend, denn ich halte das nicht unbedingt für überzeugend als Lesetipp. Und das Wörtchen "sogar" mitunter eher hochnäsig, oder gar abwertend einem Genre gegenüber. Aber, wie qualifiziert man einen Leseeindruck? Das muss sicher jeder für sich entscheiden. Generell verlasse ich mich bei Empfehlungen in der Tat eher auf Leserurteile von Leuten die auch was von dem Genre verstehen - sofern man das beurteilen kann ;) Ein Vielleser eines Genres kann für mein Empfinden viel besser beurteilen wie gut oder schlecht das Genre mit diesem oder jenen Titel bedient wurde. Andererseits gibts immer wieder Bücher die eine "Einstiegsdroge" für Erstleser sein können ...

So, hier mein Dilemma und der Grund für meine etwas komische Einleitung ;) :
Ich versteh nix von BDSM, lese das Genre so gut wie nie und gehe daher auch in meiner folgenden, dem Genre gegenüber völlig unqualifizierten Rezension, nicht groß auf diese Szenen ein ... nur vllt. soviel: Teilweise echt unter-die-Haut-gehend-super! Teilweise - besonders gegen Ende - für mich too much! ;)
BDSM ist ja nicht zuletzt aufgrund des eBook-Erfolgs von E.L. James (Fifty Shades of Grey, wird auch gerade übersetzt - Infos bei Irina) immer mehr en vogue. Obwohl davon ja behauptet wird, das wäre gar nicht richtig BDSM.
Wie dem auch sei, ich bin mir ziemlich sicher, ich werde nie ein ausgesprochener Fan des Genres werden. Die Freunde von BDSM-Romanen werden es mir dennoch hoffentlich nachsehen, das ich mich über "Cirque du Minuit" auslasse, denn unterm Strich hat mir das Buch, vor allem als Liebesroman, sehr gut gefallen.

Das Setting der Story ist ein fiktionales Pendant zum Cirque du Soleil, der ja auch in vielen Ländern seine festen Crews und besonderen Shows hat. Der Besitzer des Cirque du Soleil ist ebenfalls ein strenger, mitunter gnadenloser Perfektionist, genau wie der Besitzer des "Cirque du Monde" in dem Buch. Wobei ich jede weiteren Ähnlichkeiten für unwahrscheinlich halte ;)... wobei, man weiß ja nie ;)
Genau wie damals bei den Sinners on Tour von Olivia Cunning war ich begeistert von der Idee hier über Künstler zu lesen. Das "das ist mal anderes"-Gefühl hat mich hier echt reingezogen, wie damals bei den Sinners!

Die Amerikanerin Kelsey kommt nach Paris um beim Cirque du Monde in der aktuellen Pariser Show als Artistin zu arbeiten. Sie war Turnerin und sogar Nachrücker im USA Olympia-Team. Zu einer echten Teilnahme hats aber nie gereicht. Die Idee nach Europa zu gehen und hier eine neue berufliche Perspektive zu finden ist aufregend und sie weiß, dass es hier auch heißt: hart arbeiten, klein unten anfangen. Erstmal froh ein Ersatz zu sein, zunächst in der Bodentruppe etwas am Rande rumturnen, ein paar Dinge von anderen Acts wegräumen ... Ersatz sein für eine ausscheidende Akrobatin. Das reicht ihr zunächst. Als sie sich eines Tages mal wieder im Gebäude verläuft stolpert sie in einen privaten Moment der Trapezkünstler Minya und Theo, die augenscheinlich nach ihrem Training ein bisschen Spaß haben miteinander. Kelsey bewundert Theo schon die ganze Zeit von weitem und die erotische Szene die sich ihr bietet, hilft nicht wirklich von ihrem Verknalltsein in den Mann runterzukommen. Theo selbst scheint über den Dingen zu stehen, er beachtet sie wenig, während sie geradezu eine Obsession für ihn entwickelt.

Ein paar Tage später geschieht ein schreckliches Unglück und Theos Partnerin, Minya, stirbt. Theo zieht sich zurück und Kesley nimmt all ihren Mut zusammen und versucht ihn wieder zum Arbeiten zu überreden. Theo ist zunächst mehr als abweisend, doch sie ist hartnäckig. Schlussendlich bekommt sie eine Chance mit ihm zusammenzuarbeiten, einen eigenen Act mit ihm zusammen zu entwickeln an Seidenbändern, in der Show "Cirque du Minuit" in Marseille.

Kelsey war mir von Anfang an sehr sympathisch, bei Theo ist man sich da erstmal nicht so sicher ;) aber ich mag ja Arschlochhelden ;), vor allem wenn sie vom Autor gleich von Anfang an eine gewisse Tiefe und versteckte Verletzlichkeit mitbekommen und sich somit schon mal ein kleiner Teil seines Verhaltens erklärt. Wohldosiert bekommen wir mehr und mehr im Innenleben der beiden mit. In Sachen Charakterzeichnung muss man vor Annabel Joseph wirklich den Hut ziehen, beide Protas sind keine eindimensionalen Pappkameraden, sondern vielschichtige Wesen, deren Beweggründe einem vor Augen geführt zu werden, ohne, dass plump erklärt wird. Die Frau kann schreiben!

Ganz besonders gelungen fand ich die Zirkus-Szenen, die die Hintergründe einer weltweiten Artistenshow und das Artistenleben beleuchten. Es gab vor ein paar Jahren mal eine 4-teilige Doku über den Cirque du Soleil (den ich sehr faszinierend finde), und vieles habe ich hier beim fiktionalen Cirque du Monde wiedergesehen. Ich bezweifel dennoch wie gesagt, dass der echte Zirkusbesitzer einen privaten Club names "le citadel" besitzt und fast alle Angestellten da .... nunja ...lest selbst... ;) ...

Über den Kink-Level des Buches sagt die Autorin selbst: medium bis hoch (HIER)
Annabel Joseph hat in diesem Buch sehr oft einen lockeren Ton angeschlagen,  z.T. humorvoll, immer menschlich, Charaktertiefe ist garantiert. Gute Recherche (*Meckermodus an*:bis auf einen Meter/Yard-Fauxpas, der Held ist Franzose und misst die Seidentücher nicht in Meter und Zentimeter *Meckermodus aus*) runden das Ganze letztlich ab.

Hier schreibt die Autorin über die Initialzündung zu ihrer Romanidee, woraufhin ich das Buch das runtergeladen habe.

_____________________________
eure Cleopatra

Bilder

Kommentare:

  1. Willkommen im Club ;)
    Ich lese BDSM immer mal wieder, allerdings nur bei bestimmten Autoren.

    Mich hat diese Seidenbänder-Akrobtik auch völlig fasziniert; hätte aber auf den Besitzer und dessen Club verzichten können. Ansonsten war es eine sehr schöne Liebesgeschichte.
    Annabel Joseph greift übrigens das Thema Tänzer/Artist auch in "Mercy" und "Firebird" auf. Und in "Caressa's Knees" ist die Heldin eine Cellistin. Ich finde die Wahl dieser nicht ganz üblichen Berufsfelder interessant.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hi Camie!

      Danke! :))

      Ja, der Herr Lemaitre (was'n Name! LOL) und sein Etablissement war für mich auch überflüssig ;) Schön, dass sie in ihren Büchern da gerne in die Künstler Richtung geht!

      Löschen

 
Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de Blogverzeichnis