Montag, 21. Mai 2012

Shattered Glass - Dani Alexander

Long time no post ... sorry, aber manchmal rutscht das wahre Leben zwischen die Buchzeilen ;) Hier also meine neueste Rezi (dank einem schönen langen und sonnigen Wochenende und einer gemütlichen Gartenliege):

Gay Romances sind wie - Forest Gump sagte es einst so schön - eine Schachtel Pralinen. Man weiß eigentlich nie, was man kriegt. Meine Erfahrung der letzten Monate, seit ich tiefer in das Genre eingetaucht bin, sind überwiegend positiv, vor allem für Leser die Tiefe, etwas Drama und ne Menge Emotionen in ihren Liros lieben, die werden hier eigentlich selten enttäuscht. Die Bücher ähneln sich alle natürlich etwas, genau wie in jedem Genre, dennoch gibt es so viele verschiedene Geschichten, wie es auch Menschen gibt. 'Liest du einen kennst du alle' könnte man im Prinzip auf jedes Genre beziehen, ich finde aber gerade in diesem Genre gibts wiedermal sehr viele interessante Nuancen zu entdecken.

"Shattered Glass" von Dani Alexander ist hier wieder eine Bestätigung der Regel. Die Basis-Geschichte, boy meets boy, ist natürlich die gleiche ;) Aber der Schreibstil von Dani Alexander unterscheidet sich etwas von den mainstreamigeren Titeln, finde ich. Auch ihre Charakterbeschreibungen sind etwas gewöhnungsbedürftig. Die Geschichte wird in der Ich-Form aus der Sicht von Austin Glass geschildert, somit hat man - und hier möchte ich fast sagen leider - nur einen point-of-view, was es einem schwer macht die anderen Figuren kennen zu lernen. Ich glaube aber das war Absicht. Denn wir sollten die Unsicherheiten des Protagonisten hautnah miterleben und das tut man ja zwangsläufig wenn man die anderen Leute nicht kennt und nicht einzuschätzen weiß. Im nachhinein fand ich das prima, denn es lässt einen Austins Situation tatsächlich mehr nachempfinden. :)

Austin Glass ist 26 Jahre alt und seit 8 Jahren Polizist, im Moment hat man den jungen ambitionierten Mann einem älteren Detective an die Seite gestellt. Es ist eine gute Partnerschaft, Austin möchte hier lernen und sich verbessern - sein Endziel: FBI. Das ist sein Traum. Nötig zu arbeiten hat er es weiß Gott nicht, denn er ist stinkreich. Dank seiner stinkreichen Herkunft. Sein Großvater hat ihm ein Vermögen vermacht, sein Vater ist der beste Anwalt der Stadt mit einer riesen Kanzlei. Von Beruf Sohn/Enkel und/oder eine Karriere als Anwalt war ihm eigentlich in die Wiege gelegt. Aber Austin möchte die Schwachen und Hilflosen auf seine Art beschützen und nicht die Täter verteidigen, wie sein Vater es tut. Überhaupt ist das Verhältnis zu seiner Familie mehr oder weniger zerrüttet. Und er tut nichts das zu ändern. Im Gegenteil, Austin ist ein echt unfassbar freches und schockierendes Großmaul. Er liebt es Leuten vor den Kopf zu stoßen. Man ist entsetzt über seine Aussagen, seine Sprüche und seine Taten machmal auch. Er tut wirklich alles um zu brüskieren, schockieren und somit Dinge im Vorfeld abzuwehren und den harten Macker rauszukehren. Er ist ein unmöglicher und oftmals echt gefühllos daherkommender, egoistischer Weiberheld der keine Treue kennt und wir lernen ihn kennen in dem Moment in dem er gerade seine Hochzeit plant. Bzw. seine Braut plant, er versucht den Hochzeitstag irgendwie zu verdrängen. Obwohl er selbst den Heiratsantrag gemacht hat.

Während Angelica also die Hochzeit vorbereitet, arbeitet Austin mit seinem Partner an einem brisanten Fall. An diesem einen Morgen sitzt Austin in einem Diner und wartet auf einen Informanten, der nicht auftaucht. Während des Wartens wird er im Diner von einem jungen Mann bedient, der ihm den Atem verschlägt. Der Typ trägt ein Muskelshirt, Pyjama-Hosen, eine Schürze und Bunny-Slippers. Und trotzdem haut es Austin von den Socken, so schnell kann er es gar nicht fassen. Dieses vom Donner gerührt sein, ist aber kein Grund sein vorlautes Mundwerk stillzuhalten ... während wir in seinem Hirn sitzen und seine verwirrten Gedanken mitbekommen! Warum findet er diesen Typen so faszinierend? War er schwul? War er verrückt? Was zum Geier war so sexy an Bunny Slippers?


Das Ganze ist irgendwie süß, ein bisschen grotesk und so typisch Austin, man muss ihn einfach lieben... überhaupt macht er oft irgendwie nicht miteinander vereinbare Dinge und man denkt immer mal wieder "Häh???" ;) Also ich. Ich hatte öfters solche "intelligenten" Häh-Momente beim Lesen ;) aber letztlich klärte sich das Meiste doch auf ;) Kann sein, dass es daran liegt, dass Englisch eben nur eine Fremdsprache für mich ist, aber so ein paar Sachen - das gebe ich zu - haben sich mir nicht gleich erklärt.

Was aber geblieben ist, dass man oft mit offenem Mund dasitzt, liest und denkt "nein, das hat er jetzt NICHT gesagt" :D Austin hat mich, und sein Umfeld im Buch, immer wieder überrascht, oft aus Selbstschutz entsetzt, und je mehr wir über ihn erfahren, je mehr er über sich und sein Leben nachdenkt, desto besser versteht man ihn. Er ist mitunter knochentrocken sarkastisch, egoistisch, ein Arsch, ein Held, schlagfertig, lustig, immer intelligent und nie politisch korrekt :) Ein sehr komplexer Charakter - was auch die Ich-Perspektive im Nachhinein erklärt, man soll sich nur auf ihn konzentrieren. Er ist das Buch. Die anderen Figuren sind auch toll, man lernt viel über sie (bis auf einen, den hab ich bis jetzt nicht kapiert) es gibt einen Suspense-Plot, der manchmal schwierig zu verstehen war für mich, es gibt auch ein paar Zufälle und Zusammenhänge die komisch waren, ein paar ausgelutschte Klischees haben sich auch eingeschlichen... aber lest es am besten selbst, wie Austin und Peter mit den Bunny Slippers ein Paar werden  - es ist ein holpriger Pfad, aber es lohnt sich meiner Meinung nach wirklich, es ist amüsant, spannend und bewegend bis zum Schluss, der durch einen bösen Cliffhanger vom zu schmalzig sein gerade noch so die Kurve bekommen hat ;)


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eure Cleopatra






Kommentare:

  1. Arrrggghh... DAS macht mich jetzt so neugierig, dass ich das Buch gleich auf meinen eReader geladen habe. Das ist jetzt schon das zweite Buch innerhalb von einem Monat, Cleo! ;)

    Ernsthaft, ich mag komplexe Geschichten und nicht zu durchsichtige Geschichten. Gerade im Gay-Genre haben ich da bisher selten tiefgründige Lektüre gefunden. Hab zwar bisher auch noch nicht sehr viel in diesem Bereich gelesen, aber die bisherigen konnten mich nicht 100%ig überzeugen. Aber deine Beschreibung klingt jetzt so, als ob es endlich mal ein Buch aus dem Bereich schaffen könnte. ;)

    Ich wünsch euch noch einen schönen Abend.

    Liebe Grüße
    animasoul

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  2. oh, ich freu mich doch immer so wenn ich andere "anstecken" kann, animasoul!! :) Wenn du etwas mit Tiefe und Komplexität suchst, dann darfst du dir auf keinen Fall Chase in Shadow von Amy Lane entgehen lassen, und natürlich auch nicht
    Zero At The Bone
    http://lesenswert-empfehlenswert.blogspot.de/2012/02/jane-seville-zero-at-bone.html

    Die fand ich noch besser als Shattered Glass, wobei Austin Glass mit Sicherheit "the most outrageous" von allen war ;)

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  3. hey, ich glaube unsere Zeiten in den Kommentaren stimmen jetzt auch endlich! *freu*

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    1. Das mit der Uhrzeit ist mir schon vor ein paar Tagen aufgefallen. Hat ja auch lange genug gedauert. :)

      *lach*

      Genau, "Chase in Shadow" war genau das Buch, dem ich vor einigen Wochen, dank deiner Beschreibung auch nicht widerstehen konnte. War wohl Gedankenübertragung. ;)

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    2. Ja, Blogger hat mich da irgendwie ignoriert bei meiner Zeitenkorrektur und ständig geposted was es wollte ... :(

      Ja, den lieben Chase! Ich bin gespannt auf deine Leseeindrücke!

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