Freitag, 19. Oktober 2012

Ethan, who loved Carter von Ryan Loveless

Carter Stevenson ist 24 und hat die Nase voll vom Leben in der Großstadt. Er zieht um in einen ruhigen, kleinen kalifornischen Ort, in dem er in seinem eigenen kleinen Häuschen in Ruhe gelassen arbeiten kann. Carter ist nicht nur extrem schüchtern, er leidet zudem noch unter dem Tourette Syndrom. Sowie er sich unter fremden Menschen befindet, wird er unsicher und seine Ticks legen los - was noch mehr Nervosität nach sich zieht, ergo noch mehr körperlich sichtbare Reaktionen, die ihm dann peinlich sind. Auch im entspannten Zustand macht sein Körper oft Zuckungen, die er manchmal ganz gut steuern und kanalisieren kann, aber mitunter bemerkt er sie nichtmal. Was ihm fürchterlich unangenehm ist in Gesellschaft anderer. Am meisten leidet er darunter, dass er zudem noch stottert. Wie ihr seht, der junge Mann hat ne Menge Probleme. Allerdings, sowie er sich unter Freunden befindet, Menschen denen er vertraut, ist das Syndrom weniger ausgeprägt und er stottert dann auch nur noch in emotionalen Extremfällen. Am liebsten zieht er sich in sein Schneckenhaus zurück und meidet jeglichen Kontakt mit anderen Menschen. Sein Beruf erlaubt es ihm von zuhause aus zu arbeiten, und seine Chefin und beste Freundin nimmt ihm daher das Versprechen ab, dass er bitte nicht zum Einsiedler wird, jetzt wo er nicht mehr in L.A. lebt. Er soll wenigstens versuchen neue Freunde zu finden und auch das Haus mal verlassen, was er tatsächlich versucht.

Womit Carter überhaupt nicht gerechnet hat, ist Ethan. Ethan lebt im Haus nebenan, er ist 27 Jahre alt und leidet unter den Folgen eines schweren Schädel/Hirn Traumas (SHT), das er mit 17 erlitten hat. Nach seiner Verletzung hat Ethan wieder vieles neu lernen müssen, und zurückgeblieben ist das Problem, dass er alles irgendwie gleich-wertig sieht - ihm ist die Trennung von wichtig und unwichtig, macht man, macht man nicht etc., verloren gegangen. Er hat Probleme sich alltägliche Dinge zu merken, wobei das in den letzten 10 Jahren immer besser wurde, und er dahingehend auch weiterhin Fortschritte machen wird. Es wird aber nichts geschönt oder verharmlost, oder verniedlicht. Ethans SHT und Carters TS sind keine Hollywood, oder Disney Versionen. Ethan hat z.B. keinen Sinn für gängige gesellschaftliche Moral oder Peinliches, er weiß nur das was seine Eltern ihm an Regeln eingetrichtert haben, was andere Leute nicht möchten oder vllt. anstößig finden könnten, weil man es ihm erklärt hat. Das befolgt er so gut er kann. Er will die Gefühle anderer ja nicht vorsetzlich verletzen, kann da oft aber selbst nicht erkennen warum man beispielsweise über das ein oder andere nicht mit Fremden redet. Es kränkt ihn, wenn andere denken er wäre zurückgeblieben, auf dem geistigen Stand eines Kindes oder so. Dem ist nämlich nicht so. Er denkt und fühlt anders als vor dem SHT, ist aber in allem was zählt ein erwachsener Mann, der lediglich etwas anders funktioniert. Er weiß genau, dass es ein "VOHER" gab, eine Zeit in der er als normal galt, er erinnert sich aber nicht mehr gut daran. Er ist sich im Klaren darüber, dass sein Gehirn Schaden erlitten hat und er deswegen manchmal anders ist. Eines hat ihm seine Verletzung jedoch geschenkt, was er vorher nicht hatte. Er hört Musik in allem - den Wolken, der Natur, in den Sternen am Abendhimmel. Er sieht in Carters Ticks "Musik", was für Carter peinlich erscheint ist für Ethan wunderbare Musik. Er beginnt mit seiner unvoreingenommenen Art Carter für sich zu gewinnen, und die beiden verbindet bald mehr als eine tiefe Freundschaft. Carter kommt durch Ethan aus seinem Schneckenhaus, Ethans Akzeptanz und Liebe macht dies möglich. Doch dann fällt Ethan selbst in eine tiefe Krise ...

Das dies ein m/m Liebes-Roman ist, ist tatsächlich absolute Nebensache und im Grunde auch irrelavant. Was hier zählt, ist das hier tatsächlich zwei Menschen aufeinandertreffen, füreinander wichtig werden, die es ganz und gar nicht leicht hatten, und dennoch mutig gemeinsam dem Leben und der Welt zuwenden, anstatt sich zu verkriechen.

Ein Wort zum Cover; Normalerweise finde ich die gay romance Cover Art unfassbar schrecklich bis naja geht so. Ganz selten, dass mir da ein Cover wirklich gefällt. Aber dieses Cover hier ist mMn wundervoll. Es hat auch Symbolcharakter, denn die beiden (ein rothaariger und ein dunkelhaariger junger Mann, Ethan und Carter eben) schauen selbstbewusst auf einen gemeinsamen Weg - wobei Ethan derjenige ist der Carter den Rücken stärkt. Beide sind entspannt und locker, strahlen Zufriedenheit und eine Einheit aus. Eine ganz wunderbare Botschaft, welche die Botschaft des Buches wiederspiegelt. Das Buch hat in den USA schon ein paar kleine Wellen geschlagen, bei Goodreads und Amazon gibt es zig begeisterte Rezensionen, und ich bin froh, dass ich meiner Neugierde gefolgt bin und es auch gelesen habe.

Die Autorin leidet selbst unter dem Tourette Syndrom, vielleicht ist das Buch deswegen so gelungen und kommt nicht verharmlosend oder überdramatisierend daher. Für den Charakter von Ethan hat sie sich eingehend mit traumatischen Hirnverletzungen auseinandergesetzt und sich Hilfe geholt, um Ethan so realistisch wie möglich darzustellen. Im Vorwort erklärt sie, dass SHT bei jedem Patienten unterschiedliche Auswirkungen hat. Manchmal kann es sein, dass mit den Jahren andere Bereiche im Hirn die Funktionen der zerstörten Bereiche übernehmen, so macht auch Ethan während des Buches kleine Fortschritte, aber es wird deutlich gemacht, dass er niemals mehr so sein wird wie vor der Verletzung - aber das er immernoch im Kern genau die liebenswerte Persönlichkeit ist, die der er auch vorher schon war, daran hat auch das SHT nichts geändert.

Ein einzigartiges, bewegendes Buch, das ohne dick aufzutragen die Liebesgeschichte von zwei Menschen erzählt, die - wie alle Menschen, egal welcher Herkunft und mit welchen Eigenarten - was ganz Besonderes sind und sich ergänzen und einfach glücklich machen. Wunderbar.

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eure Cleopatra

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