Dienstag, 12. März 2013

Captive Prince Volume 1 und 2 von S.U. Pacat

Wow. Großartig! Kaufen!!! :D

okay, hier etwas ausührlicher: Ich bin begeistert. Und ein bisschen ratlos, denn ich weiß gar nicht so recht wie ich das Buch rezensieren soll, ohne zu viel zu verraten, ohne dass es einen falschen Eindruck macht, ohne dass es übertrieben klingt und DOCH euch alle dazu bringt das Teil sofort zu kaufen und es einzusaugen! :D

Vorneweg, Captive Prince ist nicht das, was man zunächst vielleicht denkt, das es ist ;) Es ist keine m/m (BDSM) Erotik (jedenfalls bis jetzt nicht, ich bin mitten in Band 2) - auch wenn Sklaverei ein Thema ist. Wohl aber eine Geschichte über eine eigenartig, eigenwillige Annäherung und spätere Allianz zweier ungleicher Männer, die durchaus homoerotische Elemente aufweist. Ich habe mich ewig nicht interessiert überhaupt einen Blick draufzuwerfen, obwohl online schon Wellen hochschwappten, da gab es die Geschichte nur online in Kaptieln einzeln auf der Homepage der Autorin zu lesen. Ich würde das Buch eher als Fantasy Roman mit recht offenherzigen Szenen, Sex und Gewalt beschreiben, obwohl das auch eher abschreckend klingt und diese Aspekte mit dem positiven Gesamtbild verschmelzen.

Seit Februar 2013 gibts Band 1 und 2 für Kindle und da ich von Haus aus neugierig bin, hab ich die Leseprobe runtergeladen, gelesen, und sofort KAUFEN gedrückt und seither habe ich rechteckige Kindle-Augen!! (Band 3 wird nun nägelkauend von mir erwartet, ich lese gerade Band 2)

Es gibt viele Helden die ich beim Lesen über die Jahre ins Herz geschlossen habe, es gibt viele die haben sich eingeschlichen, es gibt aber nur wenige die haben sich beinahe schmerzhaft eingeBRANNT! Zu diesen sehr seltenen Exemplaren beispielsweise zählt Francis Crawford of Lymond, eine Helden-Figur der ganz besonderen Art aus einer zig-teiligen historischen Romanreihe aus der Feder von Dorothy Dunnett. Lymond war zunächst schwer verdaulich, lernen wir ihn doch auf den ersten Seiten kennen als jemand der gerade die Party seiner Mutter sprengt und dann das Haus anzündet. Am Ende einer langen Serie in der ich geheult und gelacht habe, in der ich oft mit dem Sprachstil der Autorin maßlos überfordert war, hab ich Lymond geliebt und werde ihn immer lieben.

Wie gesagt, viele Helden kamen und gingen seither, aber keiner konnte Lymond bislang das Wasser reichen an Undurchsichtigkeit, wahnsinniger Intelligenz, Klugheit und Verletzlichkeit. Bis ich vor 2 Tagen Captive Prince angefangen habe. Ich wette, dass die Autorin ihren anfangs ebenso schwer verdaulichen Co-Helden ganz gezielt lymondesque gestaltet hat, da sind so viele Parallelen, aaaaber, ich bin maßlos begeistert, es fühlt sich keineswegs abgekupfert an, man denkt sich eher "oh würden die beiden mal aufeinandertreffen, wow!" ;)
Das wird allerdings nie passieren, denn wo Lymond historisch das bisher Akurateste und Korrekteste war, was ich je in historischen Romanen gelesen habe, so ist Captive Prince Fantasy in einer erfundenen Welt in einer erfundenen Vergangenheit auf einem erfundenen Kontinent mit erfundenen Königreichen.

Damianos, Prinz und Thronfolger des Königreichs Akielos wird aufgrund einer Intrige seines Halbbruders am Todestag des Königs als Sklave dem Nachbarkönigkreich Vere geschenkt, während der Halbbruder es sich auf dem Thron selbst bequem macht.

Damianos, genannt Damen, findet sich als besonderes Geschenk an den Prinz von Vere in dessen Gemächern angekettet wieder. Da Vere bis vor kurzem noch Feindesland war und er selbst nicht gerade die beliebteste Person des Landes ist (da er in der letzten Schlacht den Thronfolger, Laurents älteren Bruder, getötet hat) hält er sich zunächst einmal bedeckt, was seine wahre Identität betrifft. Sein neuer Besitzer, Prinz Laurent, wird in 10 Monaten den Thron von Vere besteigen - da wird er 21 - und in der Zwischenzeit regiert sein Onkel als Regent das Land.
Laurent ist jung, hübsch, verwöhnt und grausam ... auf den ersten Blick. Je mehr Damen Einblick in die Gepflogenheiten und Anderartigkeiten des Hofs von Vere erhält, je länger er als Sklave in der (oft nicht sonderlich zarten) Obhut von Laurent ist, desto mehr entfaltet sich vor ihm ein vielschichtiges Netz aus Lügen, Intrigen, Mord und Gefahr. Nichts ist wie es anfangs scheint, und es ist fraglich ob er es je schaffen wird zu fliehen, und wenn dann seinen rechtmäßigen Thron in Akielos zu besteigen.

Die Story wird ausschließlich aus Sicht von Damen erzählt, allerdings in der 3. Person, nicht in Ich-Form - was zunächst sehr einseitig erscheint. Aber genau das ist es was gewollt ist. Wir sehen ALLES gefärbt duch Damens Brille, durch seine Moralvorstellungen, geprägt durch die Sitten und Gepflogenheiten seines Landes, seine Art zu denken und die Dinge wahrzunehmen. Aber Damen ist nur ein Mensch, er sieht nicht immer alles akurat! ;) Und was weiß er schon über Vere, man lag jahrelang im Krieg miteinander, im Grunde weiß man nur wie der Gegner kämpft aber nicht wie er lebt, denkt, fühlt. Wir spüren Damens Wut, seine Hoffnung und seine Hilflosigkeit, raten und schlussfolgern mit ihm gemeinsam. Das macht die Sache ungeheuer spannend vor allem in der Entwicklung zwischen Damen und Laurent! So wie sich seine eigene Situation, die neue seines Landes und Vere vor ihm entfaltet, so tut es auch Stück für Stück Laurent... aber ob man wirklich richtig steht, sieht man erst wenns Licht angeht! ;)
Übrigens ist Vere von seiner ganzen Art und den Namen der Orte her an Frankreich angelehnt, während mir Akielos eher griechisch vorkam.

Damen ist ein Kämpfer, man denkt sofort an die Spartakus Serie oder Gladiator wenn er beschrieben wird. Teilweise hat er einen herrlichen Sarkasmus am Leib, ist zu schlagfertig als dass es seiner Gesundheit zuträglich wäre ;) Er trägt das Herz auf der Zunge und am rechten Fleck.

Laurent hingegen ist charismatisch, clever, undurchsichtig, schockierend, brutal, schlank, elegant, goldblond, blass, das krasse Gegenteil zu Damen. Genau wie die beiden Länder, deren Könige sie sein werden/sollten.

Die Dialoge der beiden sind ein Genuss, und gerade hier erinnert Laurent wieder sehr an Lymond ;) 

Zitat aus Damens Gedanken, während er beobachtet wie jemand Laurent anhimmelt: 
“A golden prince was easy to love if you did not have to watch him picking wings off flies.” ~ S,U. Pacat Captive Prince: Volume 1

Ich liebe ja sowas :D

Eine Kampfszene aus Band 2 gleich am Anfang beschreibt wunderbar Laurent (Damen beobachtet ihn bei einem Kampf)
Zitat: “Laurent fought like he talked. The danger lay in the way he used his mind: there was not one thing he did that was not planned in advance. Yet he was not predictable, because in this as with everything he did there were layers of intent, moments when expected patterns would suddenly dissolve into something else.” ~ S.U. Pacat Captive Prince: Volume 2

Bei goodreads findet man noch mehr Zitate, aber die machen einfach mehr Spaß, wenn man Damen und Laurent kennt ;) Also, wenn ihr Politik und Intrigen, das Wachsen einer sehr, sehr außergwöhnlichen - ich will noch nicht sagen Beziehung (Freundschaft?) von zwei unfassbar unterschiedlichen Männern beobachten wollt, dabei spannende Unterhaltung sucht, und auch ein etwas anspruchsvolleres (australisches) Englisch nicht scheut, dann seid ihr hier absolut an der richtigen Andresse.

____________________
eure Cleopatra

PS: Ich bin nun (Montag, 8.3.) fertig mit Volume 2 und ... ich bin noch ganz benommen! Diese Story ist jetzt schon mein absolutes Lesehighlight 2013... phew...


Kommentare:

  1. Huhu,

    ich muss jetzt schon wieder grinsen... die beiden Bücher habe ich just gestern auf meinen Amazon-Wunschzettel gepackt. ;-))
    Drauf gekommen bin ich über die Empfehlungen bei den beiden Büchern, die ich grade gelesen habe, nämlich "Measure of Devotion" und "Measure of Strength" von von Caethes Faron. Auch sehr empfehlenswert.
    Tja, dann werd ich die hier empfohlenen Bücher auch direkt mal bestellen gehen...

    VLG
    Fussel

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    1. hehe, wir liegen einfach auf einer Wellenlänge, das beweist es mal wieder! Caethes Faron werde ich mir gleich mal anschauen gehen :)

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  2. Ich bin ja fast in Versuchung, das mal auszuprobieren. Mit dem Stichwort Lymond kann man mich ja sehr schnell kriegen. Wenn das doch nur keine m/m Geschichte wäre, die mag ich überhaupt nicht!

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    1. hi Susi!

      Tja, Homoerotik spielt hier schon eine Rolle - hat es aber auch teilweise bei Lymond (und auch in der anderen Serie von Dunnett, Niccolo) ;)

      Aber hier ist es in der Tat offener, oder besser gesagt offensichtlicher als bei Dunnett gehalten - und auch in eine (Fantasy-)Gesellschaft gebettet, in der außereheliche Liebe nur mit gleichgeschlechtlichen Partnern okay ist. Erst nach einer Eheschließung wird das andere Geschlecht akzeptabel. Aber Laurent hat keine Liebhaber, nie, never ever. Das ist ein großer Teil des Rätsels "Laurent" das Damen nicht knacken kann. Damen selbst ist eher Frauen zugetan, in seinem Reich ist Sex mit Frauen vor der Ehe auch kein Tabu. Daher finde ich es auch übertrieben die Bücher als Erotika zu bezeichnen.
      Wenn man am Ende von Band 2 zurückblickt, ist die Story eine der herzzerreißendsten Liebesgeschichten, die ich je gelesen habe - dabei war mir das während des Lesens gar nicht bewusst! Schwer zu erklären, aber dadurch, dass wir alles durch Damens Augen und seine Sicht geprägt lesen, wird einem vieles am Ende erst klar.

      Wenn m/m aber so gar nicht deine Sache ist, kann ich deine Zurückhaltung aber verstehen. Mich kann man schließlich auch mit jeglicher Art Jugendbüchern eher zum Bügeln oder Fenster putzen bringen, aber nicht zum Lesen ;)

      vllt. ist es noch wichtig zu wissen, im ersten Buch geht es auch ziemlich brutal zu, teilweise und das zweite Buch ist dann eher viel Schwertkampf, Kriegs-, Taktik- und Politikgedöns, aber ich war insgesamt einfach fasziniert, ich konnte mich auf Laurent und Damen wirklich extrem einlassen, gerade WEIL ich das Gefühl hatte durch Lymond schon "Routine" zu haben mit einem so undurchsichtigen, unnahbaren und schwierigen Charakter. Umso extremer war dann Damens und mein Leserherz mitge- und zerrissen, am Ende von Band 2 ... Oh mann, du siehst ich bin noch immer total am schwärmen .... erst 2014 soll Teil 3 erscheinen, bis dahin dreh ich am Rad oder mache tatsächlich einen re-read! LOL

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  3. Huhu Cleopatra, danke für deine ausführliche Antwort :-) Ja, der homoerotische Aspekt ist mir natürlich bei den Dunnett-Büchern auch aufgefallen, aber er stand nie so im Zentrum der Handlung. Andererseits wäre es ja wirklich schade, wenn mir eventuell eine "dunnetteske" Buchserie entginge...tja, du hast mich mit deiner Begeisterung so angesteckt, daß ich mir zumindest mal die Leseprobe von Captive Prince aufs iPad geladen habe (noch nicht gelesen). Bin gespannt ;-)

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    1. Pacat schreibt in einer Art, da würde ich wahrscheinlich auch über die Dramen im Leben einer Sumpfottermilbe in den Moosfeldern Südostasiens lesen, wenn sie denn darüber schreiben würde ;) Hier ein Zitat aus einem Interview:

      “I like writing that is restrained and invisible. I don't mean that I like things to be simple and easy to decode, the opposite. I like writers who deal with ambiguities, biased viewpoint and subjective truth; I like the writing to be clean but everything behind the writing to be complex. I like to feel that there are things going on in the spaces and behind the lines.”
      ― S.U. Pacat

      Das jemand genau sowas so hinbekommt, als Selfpublisher, in so einer hochwertigen Qualität, das habe ich noch nicht gesehen. Das ist unheimlich Dunnett-like und das hat mich schlichtweg geflasht, denn damit hatte ich im Leben nicht gerechnet - natürlich merkt man den Texten an, dass es moderner, freizügiger in manchen Dingen konkreter zugeht als bei Dunnett auch merkt man am Anfang, dass sie eigentlich vor hatte einen schlichten slave-fic zu schreiben, aber Damen weigerte sich ein braver Sexsklave zu sein LOL und so entstanden diese beiden Figuren, die mich gar nicht mehr loslassen. Ich finde sie hebt sich sehr ab von dem Einheitsmus da draußen, egal in welchem Genre. Ich bin gespannt ob die LP dich irgendwie fesseln kann, ich wollte sofort wissen wie Damen sich aus dieser Sch... Situation befreien kann! :)

      hach hier noch ein zwei schöne Zitate

      “Torveld favoured Laurent with another of those long, admiring looks that were starting to come with grating frequency. Damen frowned. Laurent was a nest of scorpions in the body of one person. Torveld looked at him and saw a buttercup.”
      ― S.U. Pacat, Captive Prince: Volume One

      Pacat über DD:
      “(Dorothy) Dunnett is the master of the invisible, particularly in her later books. Where is this tension coming from? Why is this scene so agonizing? Why is this scene so emotional? Tension and emotion pervade the books, sometimes almost unbearably, yet when you look at the writing, at the actual words, there's nothing to show that the scene is emotional at all. I think it is because Dunnett layers her novels, meaning that each event is informed by what has come before (and what came before that, and what came before that) but Dunnett doesn't signpost in the text that this is happening, leaving it to the reader to bring the relevant information to the table”
      ― S.U. Pacat

      Und sie versucht das auch, auf einem niedrigeren Level, aber für mich war es ausreichend :)

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