Sonntag, 18. August 2013

Rezension: The Return von Brad Boney

Kennt ihr dieses Gefühl, das man bei manchen Büchern hat, man schlägt es auf, liest es an und es transportiert schon innerhalb des ersten Kapitels so eine ganz bestimmte Athmosphäre, die einen irgendwie fasziniert und in der man sich am liebsten die ganze Zeit aufhälten würde - nur der schnöde Alltag und das richtige Leben fordern zwischendrin Aufmerksamkeit und Dinge wie Hunger, Verpflichtungen und gar Klogänge werden lästig? ;) So ist es mir dieses Wochenende ergangen. Dabei ist das Buch bei weitem kein literarisches Meisterwerk und hebt sicherlich auch keinen Anspruch darauf, aber hat etwas ganz Besonderes - es hat Fanatsy-Aspekte und doch oder gerade dadurch wikte es sehr realistisch! Ich kann es mit keinem anderen je gelesenen Titel vergleichen. Es ist vielschichtig, emotional, erhebend, traurig, lustig, schön und schrecklich alles in einem. Wie das Leben ...

The Return ist der zweite Teil, der Nachfolgeband zu "The Notingness Of Ben" (hier) und obgleich "Ben" schon sehr nett und irgendwie anders war (der Autor neigt zu wenig Beschreibungen und vermittelt fast alles über Dialoge) schwingt sich The Return zu höheren oder eher gesagt tieferen Schichten auf/rein und es fällt mir echt schwer einen Anfang zu einer Rezi zu finden die dem Buch gerecht wird, es aber auch nicht zu abgehoben klingen lässt. Abgehoben war es auf keinen Fall, denn Boneys lockerer Schreibstil und seine manchmal etwas trockene Art lässt die Melancholie die sich durch das Buch zieht ertragen, weil sein Stil die Story mehr oder weniger ausbalanciert. Seine Figuren sprechen wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, seine Liebesszenen sind ungeschminkt, und manchmal haut er Hammer-Aussagen rein, die eigentlich der Abschluss eines Kapitels sein müssten. Diese haben einen wahnsinnigen Effekt und eine Tiefe die einen eigentlich für einen Moment inne halten lassen müssten (oder Atem schöpfen) - aber er fährt einfach weiter im Text. Das macht es "anders" gibt dem Buch ein etwas anderes Lesegefühl, so Zwischendrin-Wow-Momente, und macht es zu etwas Besonderem wie ich finde.

Bei Goodreads wurde dieses Buch gelobt, umschwärmt wie selten eines. Und es gibt welche die fanden es megablöd, also wie immer scheiden sich die Geister. Ich gehöre zu denen, die es über alles loben würden, gerade WEIL es nicht perfekt ist, ist es perfekt, wenn ihr versteht was ich meine ;)

Topher Manning lebt in Austin, ist der Leadsänger, Songwriter und Gitarrist einer 4-köpfigen Band und arbeitet nebenbei als Mechaniker. Er ist ein Freund von Travis, seinem Kollegen (siehe "The Nothingness Of Ben") in einer Auto Werkstatt. Eines Tages gibt der Wagen von Stanton Porter, seines Zeichens berühmter Musik-Kritiker, direkt vor der Werkstatt seinen Geist auf. Stanton ist in Eile, ein wenig wuschig deswegen, und läuft in die Werkstatt und bittet dort um Hilfe, anstatt einfach ein Taxi und den amerikanischen ADAC anzurufen ;) Topher bekommt von seinem Chef frei um den netten Mann zu seinem Ziel zu fahren, den Ticketverkauf des Bruce Springsteen Konzertes am Abend. Der Laden schließt bald und Stanton muss dort 2 Pressetickets abholen. Sein Kollege und Freund Marvin, für den das zweite Ticket bestimmt ist, hat sich irgendwas eingefangen und muss im Hotel bleiben, so dass Stanton kurzerhand Topher mit zu dem Konzert nimmt. Topher kanns kaum glauben, und der Abend wird ... magisch! ;)

Mehr möchte ich über den Inhalt nicht verraten, denn es ist eine Freude wie und WAS sich ab da vor den Augen der Leser entfaltet. Die Story handelt im Grunde von 2. Chancen, Reinkarnationstheorien (ohne irgendwie aufdringlich esoterisch zu sein!), Musik, der schrecklichen AIDS Tragödie in den 80ern und der ganz, ganz großen Liebe. Gleichzeitig erklärt Boney hier dieses immer noch leicht mysteriöse gfy-Phänomen von Travis aus "The Nothingness Of Ben" ;) Daher rate ich dazu "Ben" zuerst zu lesen und dann erst The Return, obwohl man das auch allein lesen könnte - da aber hier viele Nebenfiguren eine große Rolle spielen, ist es besser man kennt die Hälfte der Crew schon aus Band 1 sonst kanns verwirrend werden und manches erzielt sicher auch nicht den gewünschten Effekt am Ende wenn man "Ben" nicht kennt.

Die Story hat zwei Zeitlinien - einmal Stantons Story aus den 80ern, und die zweite ist Tophers Sichtweise aus der Jetztzeit. Beide Zeitlinien sind miteinander verflochten.
Für Leser die nicht sonderlich viel mit Musik am Hut haben, die 80er nicht unbedingt erlebt haben, nicht alle die erwähnten Songs kennen, weil sie vllt. zu jung sind oder sich einfach nicht dafür interessieren, hat das Buch sicherlich einige Längen. Wie gesagt Boney transportiert fast alles über Dialoge, und dennoch schaffte er es mir vor allem gegen Ende die Tränen kullern zu lassen. Ein Happy End, das einen berührt und hoffnungsvoll zurücklässt.
Boney hat sich hier kein leichtes Thema gewählt, vielleicht werden auch manche es sogar als blasphemisch oder sonstwas empfinden, weil sie schon jemanden aus der Familie oder dem Freundeskreis wegen des HIV verloren haben - mir (die das leider auch erlebt hat) gehts aber eher gegenteilig. Ich würde mir sehr wünschen, dass es so wäre wie der Autor es am Ende hat ausgehen lassen.

Ein Buch das man wahrscheinlich entweder hasst oder liebt - ich muss sagen, es hat mich tief bewegt, es war für mein Empfinden an keiner Stelle zu kitschig, abgehoben oder schmalzig. Dafür war der Schreibstil manchmal ein bisschen zu nüchtern - oder vllt. besser gesagt zu maskulin ;) Brad Boney ist für mich zu einem must-buy-Autor geworden, seine Liebesgeschichten heben sich erfrischend ab von den mainstream-Titeln derzeit (von denen ich viele supergenial finde, nicht falsch verstehen! *g*) das mag daran liegen dass er sie unter dem Genre gay fiction und nicht gay romance einordnet - er schreibt dennoch wundervolle Liebesromane, nur halt einfach anders, und das ist toll!

Hier findet sich eine vom Autor zusammengestellte playlist zum Buch: HIER
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Eure Cleopatra

Kommentare:

  1. Hallo Cleo,

    ich bin auch durch! Muss aber gestehen, so richtig mitgerissen hat es mich nicht. Die ständigen Musik-Diskussionen gingen mir irgendwann auf den Nerv und im ganzen fand ich die Geschichte/Charaktere nicht so packend. Mir hat aber auch schon der Vorgänger nicht so wirklich gefallen, aber vielleicht bin ich im Moment einfach zu wählerisch! ;-)

    VLG
    Fussel

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    1. hi!
      Ja, ich muss zugeben die ellenlangen Musik-Diskussionen kann man überspringen ;) Hab ich jedenfalls getan ... ;)
      Ich tu mich auch grad schwer was zu finden was mich fesselt. Ich bin jetzt bei einer Empfehlung von dir gelandet, Something like Summer. Die Widmung war schön so süß! :) Mal sehen wie weit ich komme! :D

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  2. Echt? Schön, das freut mich! Das Buch hab ich vor kurzem zum zweiten Mal gelesen. Und dann gleich "Something like Winter" hinterher... :-))

    Ich lese grade "Power Exchange", die Empfehlung von Orchidee und bin angenehm überrascht. Ist ja eigentlich nicht so mein Metier, aber ich war verzweifelt auf der Suche... Das Buch ist aber perfekt für Einsteiger in die Materie und erklärt so manches, was mir bisher ein Rätsel war!

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    1. Power Exchange von A.J Rose? Bei dem ging es mir nämlich genauso :) Oder ist das ein anderes?

      Es gibt wohl auch schon Something like Autumn und er schreibt schon an Spring.

      Something like Summer wird gerade verfilmt habe ich gelesen. Irgendwie booomt es gerade mit Verfilmungen ;)

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