Montag, 2. September 2013

Finding Home von Lauren Baker und Bonnie Dee

Ich mag contemporary romance "with an edge", also nicht nur die schlichten boy meets girl Sachen (die durchaus auch ihren Weg in meine Regale finden), sondern die Stories die nach Drama und Seelenpein riechen ;) Finding Home von Lauren Baker und Bonnie Dee lieferte genau das. Das Thema männlicher Prostituierter trifft auf stinknormale Frau aus behüteten Verhältnissen von nebenan, hat viel Potential für tiefe Emotionen, Drama und Herzschmerz.

Megan ist 23 und Korrekturleserin bei einer Zeitschrift in Los Angeles. Ihr großer Traum, eines Tages Reporterin zu sein, hat sich bislang noch nicht verwirklicht. Sie ist noch jung, hat wenig Berufserfahrung und ihr Chef erklärt ihr gern, dass sich alle Journalisten vom Korrektorat zum Reporter erst hocharbeiten müssen. Sie soll Geduld haben. Hat sie aber nicht. Also beschließt sie eine Reportage zu schreiben und auf eigene Faust zu recherchieren und den Artikel dann dem Chef vorzulegen. Als Thema hat sie sich die Kinder vom Straßenstrich am Santa Monica Boulevard gewählt.
Sie sucht Kontakt zu den Kids, beobachtet erschreckende und erschütternde Dinge, und interviewed minderjährige Stricher zu ihrem Leben.
Da dies eine relativ gefährliche Sache ist, so mitten in der Nacht auf dem Straßenstrich mit den Prostituierten abzuhängen nimmt sich "Mouth", einer der älteren Kids, ihrer etwas an und entwickelt sich zu ihrem Beschützer. Zwischen Mouth und ihr keimt so etwas wie Freundschaft auf. Nach ein paar unschönen Begebenheiten und der Fertigstellung ihres Artikels bekommt sie Mouth nicht aus ihren Gedanken. Sie fährt den Boulevard ab, fragt nach ihm aber er ist verschwunden. Bis sie ihn eines Tages wieder an seiner gewohnten Stelle sieht. Verprügelt und ausgeraubt ist er in einer beschissenen Situation und sie bietet ihm an eine Weile auf ihrer Couch zu schlafen, bis er wieder ganz geheilt ist. Während der Zeit lernt sie einiges über ihn, u.a. auch seinen richtigen Namen. Sean.

Aus dem Arrangement wird - zum Entsetzen ihres Umfeldes - eine Dauereinrichtung. Sean nimmt schon seit einigen Monaten die Gelegenheit wahr, die öffentliche Bibliothek zu nutzen um mit Hilfe eines Fern-Lehrgang seinen High-School Abschluss zu bekommen. Für ihn scheint der brutale Vorfall auf der Straße und Megans Gastfreundschaft eine Entscheidung für sein weiteres Leben zu fällen. Er sucht sich auch einen Job außerhalb des "business" - was vorher ohne festen Wohnsitz ein Ding der Unmöglichkeit gewesen war. Währenddessen keimt zwischen ihnen weitaus mehr als Freundschaft auf und die engen Wohnungsverhältnisse sowie die sexuelle Frustration der Beiden - weil sie sich eben als Freunde sehen wollen, mehr nicht - macht sie so fertig, das irgendwas passieren muss, sonst explodiert irgendwas - hauptsächlich Megans Kopf ;)

Die Liebesgeschichte an sich entwickelt sich in einem angenehmen Tempo. Megan ging mir manchmal mit ihrer hin- und her-Art auf den Zeiger, aber eigentlich ist sie eine der angenehmeren amerikanischen Buch-Heldinnen ;) Sie steht zu ihren Schrullen, sie erlaubt und verzeiht sich auch mal ungerechte und egoistische Gedanken. Nobody is perfect, und Megan wirklich auch nicht. Das ist stellenweise recht erfrischend, auch wenn ich ihr mal gern gegen den Kopf gehauen hätte zwischendrin.

Insgesamt kommt Megan wirklich mit wenig typisch amerikanischen Moralvorstellungen rüber, sie hat einen besten Kumpel, mit dem sie auch mal ins Bett hüpft. Sie trinkt gern einen, hat ein Nasen- und Bauchnabelpiercing, lässt sich nicht von Konventionen und Äußerem beeinflussen hört auf ihr Herz und manchmal auch auf ihre innere Stimme - es sei den die will ihr Vernunft einflüstern ;) Sie ist spontan und ein bisschen naiv.

Bei Goodreads habe ich dem Buch 4 Sterne vergeben, und zwar aus folgendem Grund: Mir war die Erzählung der Story manchmal zu einseitig. Wir erleben alles nur aus Megans Sicht und Sean blieb dadurch mMn stellenweise blass, undurchsichtig und mir emotional ferner als es gewesen wäre, wenn wir hin und wieder auch seine Sicht der Dinge gesehen hätten oder Megan und er mehr gesprochen hätten. Aber Sean war ein ruhiger Charakter, der mehr mit Taten und Gesten kommuniziert hat. Dennoch hätte ich gern mehr über seine Emotionen und Gefühle erfahren oder auch was ihn bewogen hat bestimmte Entscheidungen in seinem Leben zu treffen. Seine Lebensgeschichte blieb stückweise im Dunkeln. Das letzte Quäntchen "oomph" hat mir dadurch gefehlt um aus dem Buch ein WOW-Buch zu machen, so wie es war, ist es dennoch ein gutes und lesenswertes Buch das ich auf jeden Fall weiterempfehlen möchte.

Bei Goodreads hat das Buch tatsächlich viele 4 Sterne Rezis, hier aber war der überwiegende Grund für den Sternabzug der Altersunterschied von Megan und Sean. Sean war die erste Hälfte des Buches erst 17 und Megan 23. Das war der Grund warum viele Megan als "creepy old women" bezeichneten. Wäre sie 32 gewesen hätte ich das vllt. verstanden, aber so hat mich das in der Tat überrascht.
Hätten die Autorinnen die paar Monate bis zu seinem 18. Geburtstag mit den Liebesszenen gewartet, wären alle happy gewesen ... Okay. Man kann es natürlich als "Verführung eines Minderjährigen" sehen - und es ist okay über zwei Minderjährige in der Kiste lesen und es ist nicht okay wenn die Frau ein paar Jahre über 18 ist. Verstehe. 

Ich finde es mutig, dass die Autorinnen es genau so geschrieben haben wie es ist, denn dadurch erhält diese Lovestory mMn tatsächlich etwas mehr Authentizität - sofern man davon hier reden mag... Ich habe allerdings sowieso ein recht lockeres Verhältnis zu "was zusammen passt und was nicht", also Alters- oder Geschlechtsunterschiede, oder der Mangel dessen, stören mich idR nicht. Vllt. hätte ich schon eine gewisse Grenze bei Altersunterschieden von dem was ich lesen möchte (also er zB. 87 und sie 16, das wäre sicherlich eine Sache die ICH extrem creepy finden würde), aber wenns passt - und das tat es bei Megan und Sean - dann ist es ein interessanter und mal ganz anderer Aspekt. Wo die Liebe eben hinfällt! :) Ich erinnere mich an zwei richtig gute Bücher in dem Sie Mitte 20 und Er an die 50 war, das hat prima funktioniert. Bei Noah von Elizabeth Reyes hatten wir auch die Konstellation ältere Frau, jüngerer Mann und das war auch okay.

__________________
eure Cleopatra

Kommentare:

  1. Eine schöne Buchentdeckung und eine ansprechende Rezension. Ich habe mir das Buch jedenfalls auf den Wunschzettel gepackt, obwohl es jetzt nicht unbedingt zu meinem Beuteschema gehört. Vielleicht lese ich es irgendwann. Beachtenswert scheint es mir jedenfalls zu sein.

    LG Heather

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Auch wenns nicht so dein Beuteschema ist, ich hab da noch eins mit ähnlichem Thema, das ich vor zehn Jahren mal gelesen hab und das ich damals richtig klasse fand:
      http://www.goodreads.com/book/show/1531433.Fallen_from_Grace
      Ich muss mal schauen, ob ich das nochmal lese und ob ich es dann immernoch so gut finde. In meiner Erinnerung ist Fallen From Grace ein klarer 5 volle Sterne Kandidat :) Aber wie gesagt, das ist 10 Jahre her ...

      Löschen
  2. Hm, mein Beuteschema ist es eigentlich auch nicht. Aber es klingt sehr interessant und ich habe von Bonnie Dee schon mal eine Gayromance gelesen. Mir fällt der Titel gerade nicht ein, aber es war ein Historical und einer der Protagonisten war ein Stricher... ;)

    Die sechs Jahre Altersunterschied finde ich nicht so schlimm. Ich bin da eigentlich schon recht empfindlich, weil ich es mir für mich einfach nicht vorstellen kann, eine Beziehung mit jemanden zu führen, der 20 Jahre älter oder jünger ist (mich macht es gerade fertig, das ich tatsächlich eine Beziehung mit einem 20 Jahre jüngerem haben könnte, ohne das er deshalb minderjährig wäre).

    Aber sechs Jahre passt schon. :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Einen m/m Historical von Bonnie Dee habe ich auch mal gelesen, der war ganz nett aber nix Bemerkenswertes, ging irgendwie unter bei mir ...
      Der hier war's
      http://www.amazon.de/The-Gentleman-Rogue-ebook/dp/B00BSL7TLS/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1378652628&sr=8-2&keywords=Bonnie+Dee
      war nicht grottig, aber auch nichts Besonderes.

      Löschen
    2. Ah, genau das hatte ich gelesen - ich fand es übrigens richtig gut. ;)

      Löschen

 
Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de Blogverzeichnis